Lob der kirchlichen Doppelmoral

15 Jun

Audio: Lob der Doppelmoral„Wenn er mich offiziell fragt, muss ich auch eine offizielle Antwort geben.“ Mit diesen Worten verbot Werner Guballa einmal einen ökumenischen Gottesdienst am Sonntag, als er noch Generalvikar in Mainz war. Danach wurde er ja Weihbischof und ist inzwischen leider verstorben. Deshalb kann ich diese Geschichte auch erzählen, denn er fügte hinzu: „Soll er mich doch nicht fragen.“ Nicht-Wissen hätte es dem Generalvikar ermöglicht, wegzusehen, einfach so zu tun, als wisse er nicht, dass da ein Pfarrer gegen die geltende Ordnung verstößt.

So ein Verhalten wird öfter als Doppelmoral gegeißelt. Und da gibt es ja auch andere Beispiele. Mitarbeiter sind geschieden und leben wieder in einer festen Beziehung. Ist nicht erlaubt. Verstößt gegen den Dienstvertrag. Führt zur Kündigung. Aber nur, wenn es offen gesagt und so offiziell wird. Dann wird der Dienstgeber gezwungen, sich damit gemäß der geltenden Ordnung auseinanderzusetzen.

Es klingt zunächst einmal einleuchtend, hier ein „entweder oder“ zu fordern. Entweder man darf so leben, man darf auch sonntags ökumenische Gottesdienste feiern oder Ähnliches, dann soll man das auch offen sagen dürfen; oder eben nicht, dann aber auch konsequent.

Ich denke da anders. Strikte Konsequenz würde zu moralischem Rigorismus und menschlicher Härte führen. Ich halte die Möglichkeit, bewusst wegzusehen, Fünfe gerade sein zu lassen für menschlicher, für christlicher. Gnade vor Recht sozusagen. In der Kirche heißt das: Wir halten an festen Regeln fest, auch weil diese Regeln versuchen, hohe Ideale in den Alltag zu übersetzen. Aber wir lassen es zu, dass im Einzelfall nicht nachgefragt wird. Der Blick zur Seite ist in diesem Fall der gnädige Blick. Ist das Doppelmoral? Ich spreche lieber von Gnade vor Recht.

(Bild: SiepmannH/Pixelio)

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Eine Antwort to “Lob der kirchlichen Doppelmoral”

  1. Alberto 4. März 2013 um 09:37 #

    Ich finde das Tumor-Beispiel ist mal wieder tysipche Ami-Style. Da wird gleich ein moralischer GAU dargestellt, aber im wesentlich geht es um etwas Simpleres. Google ist genervt, dass die Leute es immer wieder schaffen sein Logik herauszufinden und zum eigenen Vorteil zu nutzen. Dieses ewige Hase- und Igel-Spiel kostet Zeit und Ressourcen. Zwischenzeitlich ffchrt es sogar zu einer Verschlechterung des Google-Produkts (lies: Suchergebnisse).

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