Unser Atem und der Heilige Geist

27 Jun

Ich weiß, was Sie gerade machen. Genau jetzt. Und auch, was Ihr Nachbar macht. Die Frau nebenan im Auto. Ich weiß etwas, das jeder Mensch auf der Erde gerade macht. Und die Tiere – die tun es auch. Nämlich: Atmen.

Wahrscheinlich haben Sie das jetzt gerade gar nicht bewusst wahr genommen. Meist atmen wir ja, ohne es zu merken. Wir atmen die Luft ein – und aus – und ein – und aus. Sie ist einfach da, ohne das wir uns große Gedanken darum machen. Wir atmen – Vom ersten Atemzug bis zum letzten. Den Atem nehmen wir erst wahr, wenn er irgendwie besonders ist: Urlauber atmen in den Bergen oder an der See erst mal tief durch. Im Alltag bemerken wir den Atem meist nur, wer etwas stört. In einer Staubwolke atmet es sich schwerer, der Atem wird uns geraubt, schwer gemacht, wir werden kurzatmig, uns bleibt die Luft weg, etwas ist nicht in Ordnung.

Der Atem, die Luft zum Atmen ist auch eines der Bilder für Gottes Heiligen Geist. Nicht zu sehen, zu schmecken, zu hören, aber: Immer da und lebensnotwendig. „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem“. So erzählt die Bibel von der Erschaffung des Menschen. Knochen, Fleisch und Haut machen den Menschen nicht lebendig, sondern erst der Atem, der Geist. Und am Ende: Natürlich haben Menschen immer schon an den letzten Atemzug von Jesus gedacht, wenn es bei seinem Tod am Kreuz heißt: Jesus gibt seinen Geist auf und stirbt.

Der Atem, Gottes Geist ist es, was uns im Leben hält. Gott haucht dem Menschen und der ganzen Schöpfung mit seinem Atem das Leben ein. In Psalm 104, dem großen Loblied auf die Schöpfung und ihren Schöpfer, werden Atem und Geist direkt nebeneinander gestellt:

„Alle Geschöpfe warten auf dich, dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.
Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein,
öffnest du deine Hand, werden sie satt an Gutem.
Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört,
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie dahin
und kehren zurück zum Staub der Erde.
Sendest du deinen Geist aus,
so werden sie alle erschaffen und du erneuerst das Antlitz der Erde.“

Ich erfahre auch persönlich immer wieder, dass ein Leben nach Gottes Geist mich freier atmen lässt. Zum Beispiel bei einem Streit. Es ist doch so, dass da dicke Luft herrscht, ein Streit schnürt mir buchstäblich den Brustkorb zu und macht mir das Atmen, macht mir das Leben schwer. Und umgekehrt genau so: wenn ich mich nach dem Streit versöhne, kann ich die Erleichterung physisch spüren: ich bin erleichtert und atme erst mal auf. Der Heilige Geist ist Gottes Atem, der uns leben und gut leben lässt. Die letzte Zeile des Psalmbuches, die letzte Zeile von Psalm 150 lautet:

Alles, was atmet, lobe den Herrn. Halleluja

Bewusst atmen ist eben auch das kürzeste und natürlichste Gebet, das es gibt.

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