Arbeiter im Weinberg. Evangelium für den Mindestlohn?

28 Jun

Was ist gerecht? Wie viele Unterschiede kann und soll sich eine Gesellschaft leisten?
Die Diskussion um solche Fragen bestimmt seit Monaten die öffentliche Diskussion.
In der Bibel, liebe Hörerinnen und Hörer, finden sich keinerlei Angaben zu Flächentarifverträgen, zum Kündigungsschutz oder der richtigen Höhe des Urlaubsgeldes.
Um Gerechtigkeit geht es aber oft sehr wohl.
Das ist doch nicht gerecht! Diesen Unmut höre ich immer wieder,
wenn es um das Evangelium von den Arbeitern im Weinberg geht.
Da sagt Jesus, dass es mit dem Himmelreich ist wie mit einem Gutsbesitzer,
der Arbeiter für seinen Weinberg wirbt.
Er tut das am frühen Morgen, gegen Mittag, nachmittags und auch abends noch einmal, insgesamt fünf Mal. Die ersten arbeiten den ganzen langen Tag.
Die letzten, die er für die Arbeit anwirbt, arbeiten nur noch eine Stunde.
Jedem verspricht der Gutsbesitzer: Ich werde euch geben, was recht ist.
Und dann: bekommen alle den gleichen Lohn,
nämlich einen Denar, eine römische Silbermünze.
Schwer exakt zu sagen, wie viel das damals wert war, aber auf jeden Fall reichte ein Denar für das, was man zum Leben brauchte, für Essen, Kleidung, ein Dach über dem Kopf.
Also: gleicher Lohn für alle. Egal, wie viel sie gearbeitet haben.
Ungerecht, rufen da die, die den ganzen Tag geschuftet haben und nicht nur eine Stunde.
Der Gutsbesitzer bügelt sie einfach ab: Freunde, ich gebe euch, was abgemacht war,
was beschwert ihr euch also. Darf ich nicht tun, was ich will?
Und er gibt sogar den letzten zuerst das Geld, und erst zuletzt denen,
die die ersten waren bei der Arbeit.
Ungerecht, rufen auch heute noch viele. Stimmts? Was man wissen muss.
Es geht hier um Tagelöhner. Die standen in Jerusalem an einer Mauer,
und dann kamen die Arbeitgeber und haben Leute angestellt.
Das ging dann so wie früher in der Schule beim Sport.
Die Fittesten gingen zuerst weg – und verdienten am meisten.
Übrig blieben die alten, schwachen, kranken Menschen.
Jetzt klingt die Geschichte schon anders, oder?
Alleine, dass der Gutsbesitzer den Letzten Arbeit gegeben hat, war schon etwas Besonderes.
Viel Ertrag haben die bestimmt nicht gebracht.
Ich denke, zum Thema Gerechtigkeit in der Arbeitswelt sagt dieses Evangelium drei Dinge: Einmal: Eine pure Ellbogengesellschaft, in der die Starken die Schwachen nach unten weg treten, wird hier abgelehnt. Beim Arbeitgeber im Himmelreich bekommt jeder Lohn nach seiner Leistungsfähigkeit. Der Starke muss eben mehr leisten als der Schwache. Seine Stärke ist ein Geschenk Gottes, ein Talent, dass er einsetzen soll für alle.
Zweitens: Jeder soll für seine Arbeit einen Lohn erhalten, von dem er leben kann.
Auch deshalb bekommen alle einen Denar.
Aber und drittens: die Geschichte ist auch nichts für Faule,
denn jeder soll für seinen Lohn arbeiten, so wie er kann.
Auch wenn es nur noch eine Stunde geht.
Das ist alles schon gerecht, oder? Und was sagt das Evangelium für die gegenwärtige Diskussion um Gerechtigkeit? Mir scheint, dass sich nahezu alle relevanten Personen und Gruppierungen in Deutschland eigentlich darin einig sind, dass nicht das reine Recht des Stärkeren herrschen soll, dass man von seiner Arbeit leben können muss und dass man aber auch für seinen Lohn arbeiten soll.
Vielleicht ist unsere Gesellschaft ja doch christlicher, als man denkt?
Das zu  erhalten kann durchaus heißen, die Prinzipien de Evangeliums von den Arbeitern im Weinberg in anstrengenden Diskussionen und mühevoller Gesetzesarbeit möglichst gut in arbeitsrechtliche Regelungen zu übersetzen.
Das Evangelium gibt dabei auch die Denkrichtung an.
Die Letzten bekommen als erste ihren Lohn heißt:
Bitte denkt von unten her, denkt zuerst an die Schwächsten.
Dazu lädt der Gutsbesitzer die protestierenden Starken ein, wenn er fragt:
Bist du neidisch, weil ich gütig bin?
Wir sollen uns doch bitte ein Beispiel an der Güte Gottes nehmen.
Mit dem gleichen Lohn verlassen wir allerdings diese Welt.
Die Geschichte von den Arbeitern im Weinberg ist ja doch eine Geschichte,
mit der Jesus klar machen wollte, wie es im Himmelreich, im Reich Gottes zugeht.
Und das vollendete Reich Gottes, das ewige Leben bei Gott, das muss dann doch für alle gleich sein, oder? Ein bisschen Ewigkeit geht nicht. Dieser Lohn wird bestimmt für alle gleich sein.

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