Syrische Flüchtlinge brauchen Spenden und GEBETE!

Ich kann rein gar nichts tun, um das Töten in Syrien zu beenden, aber ich kann den Menschen dort helfen. Wie? Spenden und beten. Spenden leuchtet wohl jedem sofort ein. Viele Hilfswerke sammeln für Menschen in Syrien. Caritas International unterstützt zum Beispiel syrische Flüchtlinge in Jordanien, im Libanon und, so weit das möglich ist, in Syrien selbst. Die Flüchtlinge brauchen schlicht etwas zu essen, sie brauchen Hygieneartikel, Babynahrung, eine Unterkunft und medizinische Versorgung. Wie immer arbeitet Caritas International mit lokalen Partnern, also mit Caritas Jordanien und Caritas Libanon zusammen.
Das Hilfswerk Missio hilft den Schwestern vom Guten Hirten, die in Damaskus und Homs versuchen, den Menschen beizustehen. Sie haben dort Frauenhäuser, um Frauen vor Vergewaltigungen und anderer Gewalt zu schützen. Schwester Georgina schrieb schon einen Brief an Missio, in dem sie für die Unterstützung und ganz besonders für die Gebete dankte.
Jetzt war Jean-Clement Jeanbart, der Erzbischof der syrischen Diözese Aleppo bei Missio. Er sagte: „Ich weiß nicht, wie ich missio für all die Hilfe danken kann. Viele Menschen haben von den Spenden profitiert. Wir beten für Sie, die es uns möglich machen zu helfen und bitten Sie um Ihr Gebet für den Frieden in unserem Land.“
Es ist wichtig, beides zu hören. Den Dank für die tätige Hilfe, für die Spenden. Und die Bitte um das Gebet. Wenn ich vom Fürbittgebet erzähle, auch für die Menschen in Krisenregionen, dann ernte ich meistens höfliches, leicht peinlich berührtes Schweigen. Aber entscheidend bleibt für mich doch, was Schwester Georgina und der Bischof von Aleppo denken. Sie bitten um Spenden und unser Gebet.

www.caritas-international.de
www.missio-hilft.de

Im Alltag beten – wie Teresa von Avila und: Babys

Ein Baby hat keinen Begriff von Religion, es kennt keine Gebete, nichts. Aber ein Baby kann in seiner Beziehung zu Gott doch Vorbild für uns alle sein. Wenigstens, wenn ich einen Gedanken der Heiligen Teresa von Avila ernst nehme. Im 16. Jahrhundert lebte sie als Ordensschwester, als Karmelitin. Ihr Gedanke hat zunächst einmal nichts mit Babys zu tun. Die Heilige sagt: Christus ist auch zwischen Kochtöpfen. Wie kam sie zu solch einer Aussage?

Sie beobachtete an Jesus, dessen Leben sie immer wieder meditierte, wie er sich Gott zuwendet, ihn „Abba“ nennt, liebender Vater. Jesus hat einen freundschaftlichen, liebevollen Umgang zu Gott  und ist zugleich ehrfürchtig im Umgang mit Gott. Und er war Gott und dem jeweils Nächsten zugewandt. Dieser Jesus von damals ist derselbe, zu dem wir beten – das war die erste große Entdeckung Teresas nach fast zwanzig Klosterjahren! Fortan versuchte sie in einer Freundschaft zu Jesus zu leben. Geistliches Leben wird nun für sie „wie ein Umgang mit einem Freund, mit dem wir oft und gern zusammenkommen, von dem wir wissen, dass er uns liebt.“ 

Die zweite große Entdeckung der Heiligen Teresa von Avila: Wenn Jesus zugleich Gott und dem Nächsten zugewandt war, dann gibt es keine Trennung von Kontemplation und Aktion, von Gebet und Nächstenliebe. Das Leben mit Gott ist nicht auf Gebetszeiten in der Kirche beschränkt. „Christus ist auch zwischen den Kochtöpfen“, sagt sie. Geistliches Leben ist kein zeitlich begrenzbares Tun, sondern eher eine Einstellung und eine Lebensform. 

Noch heute beten die Ordensschwestern der Karmelitinnen sehr bewusst jeden Tag stundenlang in der Kapelle. Aber die Arbeit in der Küche sei auch Dasein in der Gegenwart Gottes. Nicht gering schätzen, alles mit  großer innerer Aufmerksamkeit tun, das sei der Kern  eines kontemplativen Lebens, eines Lebens, das sich der Gegenwart Gottes bewusst sein will. Sie sagte das, um deutlich zu  machen, dass das Leben ein immerwährendes Gebet sein kann, einfach dadurch, dass man sich in der Gegenwart Gottes weiß.

Und das können wir  alle auch, ohne täglich mehrere Stunden in der Kirche zu sitzen. Einfach das, was man tut, ganz tun. Ich muss Gott nicht suchen, weil er schon längst da ist, ich muss mich nur seiner Gegenwart öffnen. Und jetzt zeigen sie mir irgendwen, der so sehr im Augenblick lebt und aufgeht wie ein Baby. Nicht mit den Gedanken ganz woanders, nicht zwei drei Dinge gleichzeitig tun. Hier und jetzt sein. Nichts sonst. Das ist der Gipfel der Kontemplation, der Versenkung in Gottes Gegenwart. Und das können besonders gut Heilige – und Babys.

Um Entschuldigung bitten ist keine billige Sache

Tschuldigung, oder: sorry. Das ist ganz schnell gesagt. Und oft folgt ja auch ein: schon okay. Niemanden fällt es schwer, tschuldigung zu sagen. Und ich glaube, das liegt an einer Machtverschiebung. Ich habe irgend etwas Falsches gemacht, und mir nichts dir nichts in einer Sekunde kann ich das wegbügeln:  tschuldigung: wie billig.
Etwas schwerer fällt das Ganze schon in richtigem Deutsch: ich entschuldige mich. Da wird gleich deutlicher, dass ich hier wirklich etwas falsch gemacht, daneben gelegen, eben Schuld auf mich geladen habe. Aber richtig ernst ist die Situation noch immer nicht. Denn ich habe weiter das Heft in der Hand. Ich entschuldige mich. Und wenn das Opfer meiner Missetat dann immer noch sauer bleibt: Spielverderber.

Ich denke, die richtige Formulierung lautet: ich bitte um Entschuldigung. Wenn die Last einer Schuld auf mir liegt, kann ich die nämlich nicht alleine loswerden. Das Joch, das das Vieh bindet, ist deswegen auch ein altes Bild für Schuld. Mich belastet etwas, sagen wir doch auch.  Und genau so wenig wie der Ochse sein Joch selber abwerfen kann, werde ich die Schuld alleine los. Die muss mir jemand abnehmen. Darum zu bitten: Das fällt schwer.  Auf einmal gibt es nämlich die Gefahr, das jemand sagt: nein. Ich entschuldige nicht, dass du dies oder das gemacht hast. Ich kann dir das nicht verzeihen. Dann muss ich die Schuld weiter mit mir rumschleppen. Auf einmal wird diese Floskel also eine riskante Sache. Auf der anderen Seite: nur wenn ich das Risiko der Bitte um Entschuldigung eingehe, kann ich die Last los werden, sonst bleibe ich im Joch, muss ich die Schuld weiter mit mir rumtragen.

Um Entschuldigung bitten ist ein Risiko, aber ich mache die Erfahrung,  dass eine Bitte um Entschuldigung selten vergebens ist.  Ich fühle mich wirklich freier und leichter, wenn ich um Entschuldigung bitte und meine Frau oder ein Kollege oder Freund sagt: Okay. Ist schon wieder gut. Danke, dass du diese Last von meinen Schultern genommen hast.

Katholischen Christen ist die Bitte um Verzeihung aus dem Gottesdienst vertraut: Herr, erbarme dich. Jeden Sonntag. Drei mal beim Kyrie. Eine ernste Bitte, und doch im Vertrauen darauf gesprochen, dass Gott mir schon längst vergeben hat. Denn seine Liebe zu uns ist größer als unsere Schwachheit und Schuld. Ich wünsche mir etwas von dem Ernst und dem Vertrauen auch unter Menschen. Ich bitte dich um Entschuldigung, das heißt: ich weiß wirklich, dass ich Schuld auf mich geladen habe, und ich hoffe und vertraue darauf, dass du sie von mir nimmst.

Tschuldigung – das heißt fast gar nichts.

Lukas und die Radikalen oder: Auch ich kann in den Himmel kommen

Lukas sei Dank – auch ganz normale Menschen, vielleicht sogar etwas spießig,
können in den Himmel kommen. Der Evangelist Lukas hat nämlich durchaus etwas übrig für Menschen, die nicht gleich Feuer und Flamme sind, sich sofort begeistern lassen, sondern eher bedächtig, genau und ruhig reagieren. Das kann man schon im Vorwort zu seinem Evangelium erkennen: Er will „allem von Grund auf sorgfältig nachgehen, alles der Reihe nach aufschreiben.“
Lukas lobt bedächtige Menschen: „Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es doch sein, dass er das Fundament gelegt hat,
dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Oder: Wenn ein König gegen den anderen in den Krieg zieht,  setzt er sich nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegen stellen kann, der zwanzigtausend aufbieten kann?“ Gute, solide Planung wird von Lukas also geschätzt.
Genau so wie Geduld: Da hat ein Weinbergbesitzer einen Feigenbaum, der schon drei Jahre lang keine Früchte mehr getragen hat. Was tun? Lieber dem Baum noch ein Jahr Zeit geben, bevor er umgehauen wird. Und sogar das Gleichnis vom verlorenen Sohn oder barmherzigen Vater bricht nicht mit dem Sohn, der zu Hause geblieben ist, mit dem bürgerlichen Sohn. Es stimmt, für den anderen, der sich das Erbe hat auszahlen lassen, alles verprasst hat und pleite nach Hause kommt – für den wird ein Fest gegeben. Darüber ist der biedere Sohn, der die ganze Zeit zu Hause mitgearbeitet hat, auch verärgert. Aber während des Festes geht der Vater zu ihm raus und sagt:  Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein. Komm, freu dich mit.

Der Evangelist Lukas schreibt seinen Bericht so um 80 oder 90 nach Christus, zu einer Zeit, als immer weniger Jesus noch persönlich gekannt haben. Dass es nicht so schnell geht mit dem Reich Gottes, dass Jesus nicht so bald wieder kommt,
das ist inzwischen klar. Es ist etwas Alltag eingekehrt. Und damit stellt sich dann die Frage: wie lebe ich denn den christlichen Glauben im Alltag? Alles stehen und liegen lassen und Christus nachfolgen, sich von den Ähren am Wegesrand ernähren und sein ganzes Geld weg schenken – das können tatsächlich nicht alle leben.
Die Situation der Leser, die Lukas im Blick hatte, war nicht so anders als die von uns heute.

Also: einfach alle radikalen Forderungen auf ein erträgliches Maß zusammen streichen? Das macht Lukas nicht. Zum Beispiel beim Thema Geld ist er sehr radikal.
Wehe euch, ihr Reichen! Das liest man sogar nur bei ihm. Der reiche Mann, neben dessen Tisch der arme Lazarus Hunger gelitten hat, ist auf ewig in der Hölle. Die Hungernden beschenkt Gott mit seinen Gaben, und die Reichen lässt er leer ausgehen. Hütet euch vor Habgier. Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch auf Grund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Das alles und viel mehr dergleichen steht im Lukas-Evangelium. Aber das Evangelium bleibt irgendwie zwiespältig.

Denn neben diesen radikalen Worten gibt es auch viel pragmatischere Ansätze:
Zum Beispiel: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat,
und wer zu essen hat, der tue es genau so. Und das soll man nicht nur bei Freunden und Verwandten tun: Ihr sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts für euch erhoffen könnt

Das lässt sich schon leben. Ist immer noch radikaler als der bloße Durchschnitt. Der gibt, so unterstellt Lukas, eben nur, wenn was für ihn dabei rausspringt. Die Erinnerung an die radikalen Anfänge und vor allem die Warnungen vor Reichtum,
an dem das Herz hängt, machen dabei deutlich, dass niemand die radikalen Forderungen runterrechnen darf, bis sie nicht mehr weh tun. Aber totale Armut wird doch ergänzt durch die Möglichkeit großherziger Wohltätigkeit. Nicht jeder kann heute so radikal leben wie die ersten Jünger oder wie eine Mutter Teresa. Aber jeder kann überlegen: wie viel Geld brauche ich wirklich für mich? Wie viel kann ich entbehren und spenden? Gebe ich den zweiten Mantel ab? Mit der Antwort, sagt Lukas, kann ich mir sogar Zeit nehmen und alles gut durchrechnen. Auch normal bürgerliche Menschen können in den Himmel kommen.

Lob des Alltags, der grauen Werktage

Auch diesen Montag soll man nicht vor dem Abend loben. Sagt man so, ich weiß. Ich will es aber genau anders herum machen. Ich will diesen Tag schon jetzt loben, ganz am Beginn. Dabei erwarte ich heute nichts besonderes, sondern so einen richtig grauen Alltagstag. Einen Tag, wie er in seiner Alltäglichkeit vielleicht Jesus vorschwebte, als er sagte, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. Für mich heißt das Aufstehen, mit der Familie frühstücken, arbeiten, die Kinder aus dem Kindergarten abholen, nach Hause kommen, mit den Kindern spielen, Abend essen, ein bisschen fernsehen und ab ins Bett. Und doch: dieser Tag wird viele gute Gelegenheiten bieten. Zum nett sein, zum Gut sein, für Freundlichkeit, Sanftmut, Liebe, Güte, Frieden, Langmut und Geduld, die Früchte des Heiligen Geistes, wie Paulus sie nennt. Die müssen nämlich nicht nur in herausragenden Situationen verwirklicht, sondern im Alltag gelebt werden.

Ich schaffe es aber viel weniger, geduldig und liebevoll und freundlich zu sein, wenn ich einen Tag missgelaunt und mürrisch angehe. Wenn ich aber ausgeschlafen bin und den Tag wach und positiv und offen angehe, wird er so werden, dass ich ihn auch am Abend loben kann

Das mag jetzt verdächtig nach einem billigen Psychotrick klingen oder nach dem Konzept des „Positiven Denkens“. Ziel diees positiven Denkens ist es, durch Autosuggestionen das Bewusstsein und Unterbewusstsein zu beeinflussen. Positives Denken geht davon aus, dass der Mensch programmierbar sei und es für alle Menschen die eine „richtige Programmierung“ gebe. Das führt dann schnell zu Ratgeberbüchern mit Klappentexten wie „Auch Sie können glücklich und erfolgreich sein, wenn sie nur die einfachen Regeln dieses Buches befolgen…“. Auch wenn der ein oder andere Trick hilfreich sein mag, gehe ich nicht von einer Programmierbarkeit des Menschen aus. Mein Morgenlob des Abends ist kein Trick.

Mein Grund für den Optimismus auch diesem Tag gegenüber geht tiefer. Ich glaube, dass dieser Tag ein Geschenk ist. Ein einmaliges Geschenk. Ein kleines Kind von Gottes Ewigkeit, wie es Karl Rahner so schön gesagt hat. Ich glaube, dass dieser Tag sehr viele Chancen bietet, etwas von der Güte Gottes zu erfahren und weiterzugeben. Ganz alltäglich. Vielleicht kann ich in der U-Bahn meinen Platz anbieten, vielleicht lässt eine Kollegin mich bei einem Kaffee an ihrem Leben teilhaben, ich kann das Lachen meiner Kinder genießen und ihnen Geborgenheit schenken und so weiter. Wirklich keine Aufsehen erregenden Dinge. Aber ich muss oft an Menschen in der Bibel denken wie den Zöllner, den Jesus wieder in die Mitte der Gesellschaft holt. Nachdem Jesus bei ihm gegessen hat, verspricht er, die Hälfte seines Vermögens den Armen zu geben und zu viel gefordertes vierfach zu erstatten. Das ist nicht gerade wenig, aber: Zachäus lässt nicht alles stehen und liegen und zieht mit Jesus weiter. Er bleibt auch nach der Begegnung mit Jesus Zöllner, lebt sein Leben weiter, nur besser. Und anderes verlangt Jesus auch nicht. Zachäus soll seinen Alltag gut leben. Genau wie ich und sie vielleicht auch. Ich bin kein politisch oder sonst wie wichtiger Mensch, ich bin kein Missionar in einem bitterarmen Land. Mein Platz als Christ ist der Alltag. Das heißt, dass ich mich hier beweisen muss, aber auch, dass ich im Alltag Gott erfahren kann.
Das kann ich mir morgens bewusst machen. Zum Beispiel so, wie es der Hamburger Erzbischof Werner Thissen empfiehlt. Beginne den Tag gleich nach dem Aufwachen mit einem bewussten Kreuzzeichen und dem Satz: „Du Herr zeigst uns den Weg zum Leben.“ Das tut er. Auch heute wieder. Und dass ist doch ein guter Grund, den Tag vor dem Abend zu loben.

Mein Lieblingssatz in der Bibel: Herr, ich bin nicht würdig,…aber sprich nur ein Wort…

Meinen Lieblingssatz aus der Bibel spreche ich jede Woche.
Und zwar im Gottesdienst. Vor dem Kommunionempfang. Der Satz, liebe Hörerinnen und Hörer, geht so: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach
aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“
Das ist eine Befreiung! Sehr entlastend.
Aber man muss schon beide Teile zusammen nehmen.
„Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach“,
das kann zunächst mal so unangenehm demütig klingen, frömmlerisch.
So nach jemandem, der sich in der ersten Reihe in seiner Demut sonnt und sehr darauf achtet,
dass das auch jeder sieht.
Trotzdem: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach“ –
ich weiß doch auch, dass das stimmt.
Ich kenne meine Fehler und Schwächen und merke täglich,
dass ich nicht so gut und toll bin, wie ich sein könnte und gerne wäre,
und schon gar nicht so gut,  wie es eigentlich der Anspruch bei Christen ist:
Besuche die Gefangenen, kleide die Nackten und gib den Hungrigen zu essen.
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Liebe deine Feinde.
Nicht sieben mal sollt ihr vergeben, sondern 77 mal.
Liebt einander wie ich euch geliebt habe.
Alles Sätze von Jesus, an denen ich täglich scheitere.
Würdig genug für die Gemeinschaft mit Gott – das bin ich niemals aus eigener Leistung.
Und genau deshalb ist der zweite Teil des Satzes ja auch so wichtig:
„aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele wieder gesund.“
Ich kann gelassen bleiben, wenn ich merke, meine Anstrengung reicht nicht aus.
Gott macht heil. Ich brauche mich ihm nur anzuvertrauen.
Die Sätze stammen aus einer Geschichte im Lukasevangelium.
Ein Hauptmann lässt Jesus ausrichten, dass sein Diener todkrank ist,
also auch nicht transportfähig. Deshalb muss Jesus zu ihm kommen, um ihn zu heilen.
Jesus will das auch tun, aber der Hauptmann lässt zu Jesus sagen:
„Herr, bemüh dich nicht. Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst.
Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen.
Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden.
Auch ich muss Befehlen gehorchen und gebe selber Befehle.
Wenn ich zu einem Soldaten sage: Komm! Dann kommt er.
Und wenn ich sage: Geh. Dann geht er.“
Für diesen Hauptmann ist klar: Jesus hat die Befehlsgewalt über Krankheit und Tod,
ein Wort von ihm reicht, um jemanden gesund werden zu lassen.
Dass Jesus dieses Wort spricht, wird gar nicht mehr erzählt.
Das scheint quasi selbstverständlich zu sein. Der Diener jedenfalls ist geheilt.
Und Jesus? Ist sehr erstaunt über diesen großen Glauben.
Im Urtext bedeutet das Wort sogar „Bewunderung“.
Es ist das einzige Mal in den Evangelien, dass Jesus jemanden bewundert.
Wie in anderen Erzählungen auch ist es Jesus, der die Kraft und die Macht hat zu heilen.
Aber der Glaube ist nötig, damit diese Kraft überhaupt Wirkung erzielen kann.
Habe ich so einen Glauben? Einen Glauben, von dem sogar Jesus mit Bewunderung spricht?
Ganz sicher nicht, aber auch aus dem Glauben brauche ich keinen Leistungssport zu machen.
Im Markusevangelium bittet ein Vater Jesus: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“
Auch der Sohn dieses Vaters wird geheilt. Noch einmal eine Entlastung.
„Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach,
aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“
Bei diesem Satz geht es heute, anders als im Evangelium, nicht um körperliche Heilung.
Katholiken sprechen den Satz immer, bevor sie die Kommunion empfangen,
also Gemeinschaft mit Jesus haben werden.
Diese Gemeinschaft verändert. Kurz gesagt:
Ich hoffe, dass die Gemeinschaft mit Jesus  mich zu einem besseren Menschen macht.
Das ist alles, was wir tun müssen, um gesund, um heil zu werden: Jesus glauben.