Mein Lieblingssatz in der Bibel: Herr, ich bin nicht würdig,…aber sprich nur ein Wort…

2 Jul

Meinen Lieblingssatz aus der Bibel spreche ich jede Woche.
Und zwar im Gottesdienst. Vor dem Kommunionempfang. Der Satz, liebe Hörerinnen und Hörer, geht so: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach
aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“
Das ist eine Befreiung! Sehr entlastend.
Aber man muss schon beide Teile zusammen nehmen.
„Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach“,
das kann zunächst mal so unangenehm demütig klingen, frömmlerisch.
So nach jemandem, der sich in der ersten Reihe in seiner Demut sonnt und sehr darauf achtet,
dass das auch jeder sieht.
Trotzdem: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach“ –
ich weiß doch auch, dass das stimmt.
Ich kenne meine Fehler und Schwächen und merke täglich,
dass ich nicht so gut und toll bin, wie ich sein könnte und gerne wäre,
und schon gar nicht so gut,  wie es eigentlich der Anspruch bei Christen ist:
Besuche die Gefangenen, kleide die Nackten und gib den Hungrigen zu essen.
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Liebe deine Feinde.
Nicht sieben mal sollt ihr vergeben, sondern 77 mal.
Liebt einander wie ich euch geliebt habe.
Alles Sätze von Jesus, an denen ich täglich scheitere.
Würdig genug für die Gemeinschaft mit Gott – das bin ich niemals aus eigener Leistung.
Und genau deshalb ist der zweite Teil des Satzes ja auch so wichtig:
„aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele wieder gesund.“
Ich kann gelassen bleiben, wenn ich merke, meine Anstrengung reicht nicht aus.
Gott macht heil. Ich brauche mich ihm nur anzuvertrauen.
Die Sätze stammen aus einer Geschichte im Lukasevangelium.
Ein Hauptmann lässt Jesus ausrichten, dass sein Diener todkrank ist,
also auch nicht transportfähig. Deshalb muss Jesus zu ihm kommen, um ihn zu heilen.
Jesus will das auch tun, aber der Hauptmann lässt zu Jesus sagen:
„Herr, bemüh dich nicht. Denn ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst.
Deshalb habe ich mich auch nicht für würdig gehalten, selbst zu dir zu kommen.
Sprich nur ein Wort, dann muss mein Diener gesund werden.
Auch ich muss Befehlen gehorchen und gebe selber Befehle.
Wenn ich zu einem Soldaten sage: Komm! Dann kommt er.
Und wenn ich sage: Geh. Dann geht er.“
Für diesen Hauptmann ist klar: Jesus hat die Befehlsgewalt über Krankheit und Tod,
ein Wort von ihm reicht, um jemanden gesund werden zu lassen.
Dass Jesus dieses Wort spricht, wird gar nicht mehr erzählt.
Das scheint quasi selbstverständlich zu sein. Der Diener jedenfalls ist geheilt.
Und Jesus? Ist sehr erstaunt über diesen großen Glauben.
Im Urtext bedeutet das Wort sogar „Bewunderung“.
Es ist das einzige Mal in den Evangelien, dass Jesus jemanden bewundert.
Wie in anderen Erzählungen auch ist es Jesus, der die Kraft und die Macht hat zu heilen.
Aber der Glaube ist nötig, damit diese Kraft überhaupt Wirkung erzielen kann.
Habe ich so einen Glauben? Einen Glauben, von dem sogar Jesus mit Bewunderung spricht?
Ganz sicher nicht, aber auch aus dem Glauben brauche ich keinen Leistungssport zu machen.
Im Markusevangelium bittet ein Vater Jesus: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“
Auch der Sohn dieses Vaters wird geheilt. Noch einmal eine Entlastung.
„Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach,
aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“
Bei diesem Satz geht es heute, anders als im Evangelium, nicht um körperliche Heilung.
Katholiken sprechen den Satz immer, bevor sie die Kommunion empfangen,
also Gemeinschaft mit Jesus haben werden.
Diese Gemeinschaft verändert. Kurz gesagt:
Ich hoffe, dass die Gemeinschaft mit Jesus  mich zu einem besseren Menschen macht.
Das ist alles, was wir tun müssen, um gesund, um heil zu werden: Jesus glauben.

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5 Antworten to “Mein Lieblingssatz in der Bibel: Herr, ich bin nicht würdig,…aber sprich nur ein Wort…”

  1. Christian Gremsl 7. Juni 2017 um 14:14 #

    Und wie wir würdig sind.
    Wir sind alle Kinder Gottes. Ganz egal welcher Hautfarbe oder Herkunft. Und wir sind einzigartige Kinder Gottes. Und als Kind Gottes bin dich würdig, dass der Vater einkehrt unter mein Dach. Wer sollte denn sonst einkehren, wenn nicht der Vater?

  2. cuk gerhard 28. März 2013 um 22:47 #

    Ja, gefaellt mir im Prinzip, aber ist es nicht unsere Pflicht, als Glaeubige, oder gar als Wissende, daran zu „arbeiten“, noch glaeubiger, liebender…….. zu werden?
    Entschuldigen Sie jetzt meine Kritik, aber fuer mich klibgt Ihr Beitrag zun Teil wie eine Resignierung, nicht so sein zu koennen,darab arbeiten kann man. Die Grundfrage ist, glaube ich?

    • cuk gerhard 28. März 2013 um 22:53 #

      da ist wohl was schief gegangen. Ich wollte schreiben: sein zu koennen, wie unsere allerheiligste Dreifaltigkeit. Danach sollte man streben. Aber man kann es mit vollem Herzen zulasse, mit Gott zu sein, dann faellt es einem leichter.

      • Charlie 4. Mai 2013 um 09:10 #

        nothing of the ontological sttuas of „the truth“ or „the principle.“ We may for that reason call this the epistemological interpretation. The more ambitious, and also for some the more appealing, interpretation attempts, on the other hand, to give an existential priority to „the truth“ or „the principle“: it is no longer a mere epistemological condition, but a truly ontological entity (permit me to use this troublesome word) which in some way infuses the potential knower, so as to make him capable of knowing the truth. Not only an ontological entity: but also a self-conscious and self enacting one. Otherwise we can very well fancy that it were nothing but Energy. Some prefer calling it God, some prefer calling it Geist: the name matters not. At the heart of this ontological interpretation of the proposed view seems to be an urge to see the self as part of a larger self: the self is „enabled“ to know not because of some past training or experience (all which seems to point back to the self–its will in particular–as the ultimate cause), but because of a prior self, a larger self, that has realized its inherent capability to know in this particular instance, viz. through this particular self. On the first interpretation, the self need not submit to anything; but on the present one, it is already (in a sense) in submission to that larger self. Karl Barth, inspired by a reading of St. Anselm, came to recognize that the ontological must be prior to the epistemological. God is, and man can only start thinking about God by putting himself already in God. Yet in a way his impassioned arguments in the Church Dogmatics for this point seems to intimate little more than the common observation that „If you believe, you believe; if not, no one can lead you thereto by arguments.“Of course, the broader thought that the capacity to know always presupposes (or requires) something prior has long been a major theme in philosophy. The Holy Trinity of Hegel, Husserl and Heidegger all play with this thought in one way or another. The hard part is, nevertheless, to describe clearly and meaningfully what that „prior“ is (so for instance, what is Sittlichkeit? or Horizon? or Sein?) What, moreover, is the relationship between my little self and that „prior,“ and how am I to „know myself“ in relationship thereto, and live in the light, or pale, of it?If 倉海君 meant to favor the ontological interpretation (and I think he did), echoed in zeke’s allusion to the notion of Emanation in antiquity, it may be proper to say, then, that they take the injunction „Know Thyself“ not as an injunction to know the peculiarities of the little self, as are frequently and meticulously investigated by psychological tests in pop magazines; but as an injunction to look beyond the self and to see it–to recognize it–in the light or pale of that larger self. To know thyself becomes to know the limits of an isolated, unencumbered self (to adopt Sandel’s nice phrase against Rawls): to know that there is more to know, and more urgently to be known, than the vagaries of this I. On a day to day level, this may point to one’s friends and relatives, communities, etc.; more elevatedly, it may point to transcendence, the desire to reconnect oneself to the Beyond and the Before, and the aspiration to look back, from that position, at this humble little self. Some say that this desire is deeply rooted in the complicated neural network of human beings, the complexity allowing them to enter trance experiences, the remnant–or recollection–of which well sedimented as the desire of transcendence in certain moments of everyday life. But for the present discussion, let me go no further into this controversial subject.

      • cilais 28. November 2013 um 05:25 #

        An answer from an expert! Thanks for contributing.

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