Lob des Alltags, der grauen Werktage

5 Jul

Auch diesen Montag soll man nicht vor dem Abend loben. Sagt man so, ich weiß. Ich will es aber genau anders herum machen. Ich will diesen Tag schon jetzt loben, ganz am Beginn. Dabei erwarte ich heute nichts besonderes, sondern so einen richtig grauen Alltagstag. Einen Tag, wie er in seiner Alltäglichkeit vielleicht Jesus vorschwebte, als er sagte, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. Für mich heißt das Aufstehen, mit der Familie frühstücken, arbeiten, die Kinder aus dem Kindergarten abholen, nach Hause kommen, mit den Kindern spielen, Abend essen, ein bisschen fernsehen und ab ins Bett. Und doch: dieser Tag wird viele gute Gelegenheiten bieten. Zum nett sein, zum Gut sein, für Freundlichkeit, Sanftmut, Liebe, Güte, Frieden, Langmut und Geduld, die Früchte des Heiligen Geistes, wie Paulus sie nennt. Die müssen nämlich nicht nur in herausragenden Situationen verwirklicht, sondern im Alltag gelebt werden.

Ich schaffe es aber viel weniger, geduldig und liebevoll und freundlich zu sein, wenn ich einen Tag missgelaunt und mürrisch angehe. Wenn ich aber ausgeschlafen bin und den Tag wach und positiv und offen angehe, wird er so werden, dass ich ihn auch am Abend loben kann

Das mag jetzt verdächtig nach einem billigen Psychotrick klingen oder nach dem Konzept des „Positiven Denkens“. Ziel diees positiven Denkens ist es, durch Autosuggestionen das Bewusstsein und Unterbewusstsein zu beeinflussen. Positives Denken geht davon aus, dass der Mensch programmierbar sei und es für alle Menschen die eine „richtige Programmierung“ gebe. Das führt dann schnell zu Ratgeberbüchern mit Klappentexten wie „Auch Sie können glücklich und erfolgreich sein, wenn sie nur die einfachen Regeln dieses Buches befolgen…“. Auch wenn der ein oder andere Trick hilfreich sein mag, gehe ich nicht von einer Programmierbarkeit des Menschen aus. Mein Morgenlob des Abends ist kein Trick.

Mein Grund für den Optimismus auch diesem Tag gegenüber geht tiefer. Ich glaube, dass dieser Tag ein Geschenk ist. Ein einmaliges Geschenk. Ein kleines Kind von Gottes Ewigkeit, wie es Karl Rahner so schön gesagt hat. Ich glaube, dass dieser Tag sehr viele Chancen bietet, etwas von der Güte Gottes zu erfahren und weiterzugeben. Ganz alltäglich. Vielleicht kann ich in der U-Bahn meinen Platz anbieten, vielleicht lässt eine Kollegin mich bei einem Kaffee an ihrem Leben teilhaben, ich kann das Lachen meiner Kinder genießen und ihnen Geborgenheit schenken und so weiter. Wirklich keine Aufsehen erregenden Dinge. Aber ich muss oft an Menschen in der Bibel denken wie den Zöllner, den Jesus wieder in die Mitte der Gesellschaft holt. Nachdem Jesus bei ihm gegessen hat, verspricht er, die Hälfte seines Vermögens den Armen zu geben und zu viel gefordertes vierfach zu erstatten. Das ist nicht gerade wenig, aber: Zachäus lässt nicht alles stehen und liegen und zieht mit Jesus weiter. Er bleibt auch nach der Begegnung mit Jesus Zöllner, lebt sein Leben weiter, nur besser. Und anderes verlangt Jesus auch nicht. Zachäus soll seinen Alltag gut leben. Genau wie ich und sie vielleicht auch. Ich bin kein politisch oder sonst wie wichtiger Mensch, ich bin kein Missionar in einem bitterarmen Land. Mein Platz als Christ ist der Alltag. Das heißt, dass ich mich hier beweisen muss, aber auch, dass ich im Alltag Gott erfahren kann.
Das kann ich mir morgens bewusst machen. Zum Beispiel so, wie es der Hamburger Erzbischof Werner Thissen empfiehlt. Beginne den Tag gleich nach dem Aufwachen mit einem bewussten Kreuzzeichen und dem Satz: „Du Herr zeigst uns den Weg zum Leben.“ Das tut er. Auch heute wieder. Und dass ist doch ein guter Grund, den Tag vor dem Abend zu loben.

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Eine Antwort to “Lob des Alltags, der grauen Werktage”

  1. Salim 27. November 2012 um 09:02 #

    sagt:Die Altstadt von Alcudia hat schon was besonderes. Verwinkelte Gassen, urige Cafes, Bars und Kneipen. Beim alten Stadttor kann man ff6rmlich die Vergangenheit srpcuphenn und die ganzen Jahre die wir schon nach Mallorca reisen fordern immer einen Abstecher in diese teils ganz ruhige(Siesta) oder teils quirlige Atmosphe4re eines bezaubernden Kleinods im Nordosten der herrlichsten Insel der Welt

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