Um Entschuldigung bitten ist keine billige Sache

9 Jul

Tschuldigung, oder: sorry. Das ist ganz schnell gesagt. Und oft folgt ja auch ein: schon okay. Niemanden fällt es schwer, tschuldigung zu sagen. Und ich glaube, das liegt an einer Machtverschiebung. Ich habe irgend etwas Falsches gemacht, und mir nichts dir nichts in einer Sekunde kann ich das wegbügeln:  tschuldigung: wie billig.
Etwas schwerer fällt das Ganze schon in richtigem Deutsch: ich entschuldige mich. Da wird gleich deutlicher, dass ich hier wirklich etwas falsch gemacht, daneben gelegen, eben Schuld auf mich geladen habe. Aber richtig ernst ist die Situation noch immer nicht. Denn ich habe weiter das Heft in der Hand. Ich entschuldige mich. Und wenn das Opfer meiner Missetat dann immer noch sauer bleibt: Spielverderber.

Ich denke, die richtige Formulierung lautet: ich bitte um Entschuldigung. Wenn die Last einer Schuld auf mir liegt, kann ich die nämlich nicht alleine loswerden. Das Joch, das das Vieh bindet, ist deswegen auch ein altes Bild für Schuld. Mich belastet etwas, sagen wir doch auch.  Und genau so wenig wie der Ochse sein Joch selber abwerfen kann, werde ich die Schuld alleine los. Die muss mir jemand abnehmen. Darum zu bitten: Das fällt schwer.  Auf einmal gibt es nämlich die Gefahr, das jemand sagt: nein. Ich entschuldige nicht, dass du dies oder das gemacht hast. Ich kann dir das nicht verzeihen. Dann muss ich die Schuld weiter mit mir rumschleppen. Auf einmal wird diese Floskel also eine riskante Sache. Auf der anderen Seite: nur wenn ich das Risiko der Bitte um Entschuldigung eingehe, kann ich die Last los werden, sonst bleibe ich im Joch, muss ich die Schuld weiter mit mir rumtragen.

Um Entschuldigung bitten ist ein Risiko, aber ich mache die Erfahrung,  dass eine Bitte um Entschuldigung selten vergebens ist.  Ich fühle mich wirklich freier und leichter, wenn ich um Entschuldigung bitte und meine Frau oder ein Kollege oder Freund sagt: Okay. Ist schon wieder gut. Danke, dass du diese Last von meinen Schultern genommen hast.

Katholischen Christen ist die Bitte um Verzeihung aus dem Gottesdienst vertraut: Herr, erbarme dich. Jeden Sonntag. Drei mal beim Kyrie. Eine ernste Bitte, und doch im Vertrauen darauf gesprochen, dass Gott mir schon längst vergeben hat. Denn seine Liebe zu uns ist größer als unsere Schwachheit und Schuld. Ich wünsche mir etwas von dem Ernst und dem Vertrauen auch unter Menschen. Ich bitte dich um Entschuldigung, das heißt: ich weiß wirklich, dass ich Schuld auf mich geladen habe, und ich hoffe und vertraue darauf, dass du sie von mir nimmst.

Tschuldigung – das heißt fast gar nichts.

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Eine Antwort to “Um Entschuldigung bitten ist keine billige Sache”

  1. Kilian Martin (@kilianmartin) 17. Juli 2012 um 20:58 #

    Ein sehr, sehr guter Beitrag! ‚Nuffsaid. 🙂

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