Im Alltag beten – wie Teresa von Avila und: Babys

12 Jul

Ein Baby hat keinen Begriff von Religion, es kennt keine Gebete, nichts. Aber ein Baby kann in seiner Beziehung zu Gott doch Vorbild für uns alle sein. Wenigstens, wenn ich einen Gedanken der Heiligen Teresa von Avila ernst nehme. Im 16. Jahrhundert lebte sie als Ordensschwester, als Karmelitin. Ihr Gedanke hat zunächst einmal nichts mit Babys zu tun. Die Heilige sagt: Christus ist auch zwischen Kochtöpfen. Wie kam sie zu solch einer Aussage?

Sie beobachtete an Jesus, dessen Leben sie immer wieder meditierte, wie er sich Gott zuwendet, ihn „Abba“ nennt, liebender Vater. Jesus hat einen freundschaftlichen, liebevollen Umgang zu Gott  und ist zugleich ehrfürchtig im Umgang mit Gott. Und er war Gott und dem jeweils Nächsten zugewandt. Dieser Jesus von damals ist derselbe, zu dem wir beten – das war die erste große Entdeckung Teresas nach fast zwanzig Klosterjahren! Fortan versuchte sie in einer Freundschaft zu Jesus zu leben. Geistliches Leben wird nun für sie „wie ein Umgang mit einem Freund, mit dem wir oft und gern zusammenkommen, von dem wir wissen, dass er uns liebt.“ 

Die zweite große Entdeckung der Heiligen Teresa von Avila: Wenn Jesus zugleich Gott und dem Nächsten zugewandt war, dann gibt es keine Trennung von Kontemplation und Aktion, von Gebet und Nächstenliebe. Das Leben mit Gott ist nicht auf Gebetszeiten in der Kirche beschränkt. „Christus ist auch zwischen den Kochtöpfen“, sagt sie. Geistliches Leben ist kein zeitlich begrenzbares Tun, sondern eher eine Einstellung und eine Lebensform. 

Noch heute beten die Ordensschwestern der Karmelitinnen sehr bewusst jeden Tag stundenlang in der Kapelle. Aber die Arbeit in der Küche sei auch Dasein in der Gegenwart Gottes. Nicht gering schätzen, alles mit  großer innerer Aufmerksamkeit tun, das sei der Kern  eines kontemplativen Lebens, eines Lebens, das sich der Gegenwart Gottes bewusst sein will. Sie sagte das, um deutlich zu  machen, dass das Leben ein immerwährendes Gebet sein kann, einfach dadurch, dass man sich in der Gegenwart Gottes weiß.

Und das können wir  alle auch, ohne täglich mehrere Stunden in der Kirche zu sitzen. Einfach das, was man tut, ganz tun. Ich muss Gott nicht suchen, weil er schon längst da ist, ich muss mich nur seiner Gegenwart öffnen. Und jetzt zeigen sie mir irgendwen, der so sehr im Augenblick lebt und aufgeht wie ein Baby. Nicht mit den Gedanken ganz woanders, nicht zwei drei Dinge gleichzeitig tun. Hier und jetzt sein. Nichts sonst. Das ist der Gipfel der Kontemplation, der Versenkung in Gottes Gegenwart. Und das können besonders gut Heilige – und Babys.

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