„Endlich. Mein Sterben“ von Christopher Hitchens. Ein Buch-Tipp

12 Jul

Christopher Hitchens: Endlich. Mein Sterben

Christopher Hitchens: Endlich. Mein Sterben

Christopher Hitchens war kein religiöser Mensch. Er hat sogar leidenschaftlich gerne in öffentlichen Diskussionen gegen den Glauben und für seine atheistische Überzeugung gekämpft. Er hat Mutter Teresa unterstellt, ihre Nächstenliebe sei nur ein Vorwand für Missionierung unter den Ärmsten und ein Buch geschrieben, dass „Gott ist kein Hirte“ heißt.
2010 ist Christopher Hitchens an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt. Etwa ein Jahr hat es gedauert, bis er gestorben ist. In dieser Zeit hat er acht Essays geschrieben über den Krebs und wie der sein Leben und Leiden und Sterben bestimmt. Das ist gerade dann bewegend, wenn er schonungslos über Übelkeit, Hautausschlag und Erbrechen schreibt, über die unerträglichen Schmerzen. Es ist interessant, wenn er Formulierungen wie „Gegen den Krebs kämpfen“ seziert und für mich auch aufrührend, wenn er schreibt, weshalb es sinnlos sei, ein Fürbittgebet zu sprechen. Und es ist ärgerlich, wenn er evangelikale Christen zitiert mit ihrer „das ist eine Strafe Gottes“ Rhetorik, über die ich mich genau so ärgere.
„Endlich. Mein Sterben“ heißt das Buch mit diesen Essays. Christopher Hitchens ist nicht fromm geworden, sondern bestätigt im Angesicht des Todes noch einmal seine eigene Gottlosigkeit.
Der britische Autor, der in Amerika lebte, wird so nach seinem Tod noch einmal zum Advocatus Diaboli, wörtlich übersetzt heißt das Anwalt des Teufels. Das war er schon einmal, als im Vatikan über die Heiligsprechung von Mutter Teresa beraten wurde. Der Vatikan lud Christopher Hitchens ein, Argumente gegen die Heiligsprechung vorzutragen. Diese Rolle im Heiligsprechungsverfahren heißt seit Jahrhunderten Advocatus Diaboli.
Und jetzt also ist Christopher Hitchens Advocatus Diaboli gegen die Überzeugung, dass man im Leid, im Angesicht des Todes doch noch fromm werden wird. Das Buch ist durchaus eine Herausforderung für meinen Glauben. Und genau deshalb lesenswert.

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2 Antworten to “„Endlich. Mein Sterben“ von Christopher Hitchens. Ein Buch-Tipp”

  1. Gast auf Erden 14. Juli 2013 um 01:07 #

    Und es ist ärgerlich, wenn er evangelikale Christen zitiert mit ihrer „das ist eine Strafe Gottes“ Rhetorik, über die ich mich genau so ärgere.

    Warum ärgern Sie sich über solche Aussagen?

    Katholische Doktrin ist, dass Menschen wie Hitchens unausweichlich auf ewig Höllenqualen erleiden müssen. Dagegen ist ein Jahr mit einem Ösophaguscarcinom zu Lebzeiten doch wie ein laues Frühlingslüftchen dagegen.

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