Ein Pilgerweg entlang des Todesmarsches der Frauen von Ravensbrück

16 Apr

Das Ziel hieß Überleben
Ein Pilgerweg entlang des Todesmarsches der Frauen von Ravensbrück

Raben Steinfeld (ahü). Ein Pilgerweg vom 23. April bis 3. Mai folgt dem „Todesmarsch“ der Frauen vom Konzentrationslager Ravensbrück vor 70 Jahren.
Ende April 1945 begann für 20 000 Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück ein „Todesmarsch“, den viele nicht überlebten. Als die Front näher kam, hatte die SS das Lager geräumt. 3 000 schwer kranke Menschen wurden zurückgelassen, der Rest wurde in Richtung Westen getrieben. Im Januar 1945 waren 46 000 Menschen auf dem Gelände zusammengepfercht, drei Jahre vorher lebten dort 10 000 Insassen, vor allem Frauen. Mittlerweile aber kamen aus den evakuierten Konzentrationslagern im Osten, unter anderem aus Auschwitz, immer mehr Gefangene nach Ravensbrück. Die Nazis richteten im Februar eine provisorische Gaskammer ein und ermordeten in kurzer Zeit 2 000 Menschen. Ravensbrück bei Fürs-tenberg war das größte Frauen-KZ im Reich. 133 000 Frauen, 20 000 Männer waren dort insgesamt interniert. 28 000 kamen um.
In einem Zeitzeugenbericht beschreibt die Polin Genowefa Olejniczak den Todesmarsch der Frauen von Ravensbrück: „In der Nacht vom 27. zum 28. April 1945, es begann schon zu dämmern, wurde das Lager evakuiert. Wir waren Tag und Nacht ohne Essen, ohne Trinken und ohne Schlaf unterwegs – die SS eskortierte uns mit Hunden. So wurden wir bis nach Neustrelitz getrieben. Dann ging es in Richtung Westen zu einem Sammelpunkt, weil wir auf ein Schiff nach Schweden kommen sollten. Aber das Ziel haben wir nicht mehr erreicht, inzwischen war alles bombardiert.“
Bei Crivitz stießen zu den Ravensbrück-Häftlingen auch solche aus dem KZ Sachsenhausen. Sie hatten einen noch längeren Weg zurückgelegt. Der gemeinsame Marsch endete am 2. Mai in Raben Steinfeld kurz vor Schwerin. Nach Schwerin vorrückende Panzereinheiten der „Zweiten weißrussischen Front“ hatten den Zug eingeholt. Die Bewacher hatten sich bereits abgesetzt.
Mehrere Gedenksteine erinnern heute an diesen Weg, der viele der entkräfteten KZ-Häftlingen in den letzten Kriegstagen das Leben kostete. Der Erinnerung dient auch ein Pilgerweg auf der Strecke des Todesmarsches, der als zehntägige Fußwanderung vom 23. April bis 3. Mai von Ravensbrück nach Schwerin führt. „Lebendige Begegnungen auf dem Weg des Todesmarsches“ heißt der Titel. Initiiert haben diesen ökumenischen Weg Uwe Seppmann vom christlichen Gästehaus Beth-Emmaus bei Sternberg, Olaf Steinberg, Amtsleiter Sternberger Seenlandschaft und Kreistagspräsident, sowie Pastor Horst Schröter aus Peckatel-Prillwitz. Die Streckenführung stammt vom katholischen Jakobsweg-Beauftragten Wilhelm Reichel. „Wir werden mit einer festen Gruppe von 15 Personen die ganze Strecke gehen. Einige andere wollen nur einen oder zwei Tage mitgehen. Aber jeder kann uns ein Stück begleiten, auch nur für eine Stunde“, sagt Wilhelm Reichel.
An einigen Etappen werden Augenzeugen zu Wort kommen, die den Marsch der KZ-Häftlinge (als Kind) gesehen haben. Auch das Friedenslicht aus Bethlehem wird auf dem Weg weitergegeben. Die Strecke wird den Spuren der Häftlinge möglichst genau folgen, also auch über Bundesstraßen führen.
„Wir sind als Pilger und Mahner unterwegs, die Erinnerungen wachrufen möchten. In den Gesprächen mit den Menschen auf dem Weg wollen wir deutlich machen, dass diese Zeiten nicht vergessen und mit einer Decke des Schweigens verdrängt werden“, sagt Wilhelm Reichel. Anders als der Todesmarsch vor 70 Jahren endet der Erinnerungsweg in Schwerin. Dort feiern die Pilger und alle Interessierten am 2. Mai eine Andacht mit Propst Eberlein in der Propsteikirche St. Anna. Um 19.30 Uhr ist eine Abschlussveranstaltung im Schleswig-Holstein-Haus, anschließend ein Abendgebet in der Synagoge.

Von Ravensbrück nach Schwerin
Der ökumenischer Pilgerweg „Lebendige Begegnungen auf dem Weg des Todesmarsches“ hat folgendes Programm:
Donnerstag, 23. April: 17 Uhr Auftakt in der Gedenkstätte Ravensbrück
Freitag, 24. April: von der Gedenkstätte Ravensbrück bis zur ev. Kirche Wesenberg. Gegen 9 Uhr Gespräch mit Zeitzeugen in Steinhavelmühle, 18 Uhr Schabbathfeier im ev. Gemeindehaus
Samstag, 25. April: von Wesenberg zum evangelischen Pfarrhaus Mirow. 13 Uhr Mittagsgebet in der katholischen Kirche.
Sonntag, 26. April: Von Mirow zur katholischen Kirche Röbel, 10.30 Uhr Zeitzeugengespräch in Retzow. 19 Uhr Gemeindeabend im Kath. Gemeindezentrum
Montag, 27. April: Von Röbel bis Kloster Malchow
Dienstag, 28. April: von Malchow nach Goldberg, Abendveranstaltung im Haus der Bibel, Werderstr. 9
Mittwoch, 29. April: Von Goldberg nach Suckow Von Suckow zu Fuß nach Slate
Donnerstag, 30. April: Von Slate nach Parchim, Besuch des KZ Neustadt-Glewe (Übernachtung in Goldberg)
Freitag, 1. Mai: Von Goldberg nach Crivitz, Schabbathfeier in der Ev. freikirchlichen Gemeinde auf demWeinberg
Samstag, 2. Mai: Von Crivitz nach Raben Steinfeld und nach Schwerin, Kranzniederlegung mit Kreistagspräsident Steinberg am Mahnmal „Mutter“, 18 Uhr Gottesdienst in St. Anna, 19.30 Uhr Gedenkveranstaltung im Schleswig-Holstein-Haus, 21.30 Uhr Abendgebet in der Synagoge.

Weitere Informationen oder Anmeldungen für den Weg bei Wilhelm Reichel unter Tel. 03843 / 68 34 36, E-Mail: reichel.gue@freenet.de, Internet: http://lebeto-mvp.jimdo.com
Das Zitat von Genowefa Olejnic-zak ist einer Ravensbrück-Dokumentation der Bundeszentrale für politische Bildung entnommen (www.bpb.de).

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Eine Antwort to “Ein Pilgerweg entlang des Todesmarsches der Frauen von Ravensbrück”

  1. xzedgz@gmail.com 29. April 2015 um 15:14 #

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