Das ist doch „unchristlich“?!

„Das ist doch unchristlich!“ Den Satz lese ich regelmäßig auf Facebook Seiten von engagierten Christen, mit denen ich befreundet bin, wie es bei Facebook heißt. Zum Beispiel, wenn es um Forderungen der CSU in der Asyl- und Flüchtlingspolitik geht. Sehr gerne wird der bayrische Ministerpräsident Markus Söder dann an den Beschluss erinnert, dass in Landeseinrichtungen Kreuze hängen müssen. Das stehe doch im Widerspruch zu seinen politischen Forderungen?! Es folgt dann oft noch eine kurze Belehrung über das Wesen des Kreuzes.

Ähnlich war es, als das Erzbistum Hamburg verkündete, aus finanziellen Gründen Schulen schließen zu müssen: Unchristlich war das Urteil einiger. Waffenlieferungen an die Türkei? Unchristlich. Ganz sicher.

Oder doch nicht? Wenn ich in das Neue Testament der Bibel schaue, dann finde ich da viele Forderungen an den einzelnen Gläubigen, auch an die Gemeinschaft der Gläubigen, aber keine politischen Forderungen. Selbst in den Versen, in denen Jesus die Mächtigen kritisiert, nämlich im zehnten Kapitel des Matthäusevangeliums. Dort steht: „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“

Bei Euch aber soll es anders sein. Damit hat die Kirche erst einmal genug zu tun, finde ich. Als einzelner Christ bin ich ohnehin Suchender, Fragender, jemand, der jede Woche im Gottesdienst um Vergebung bittet. Und zwar in dem Wissen, dass ich dem hohen Anspruch Jesu nicht gerecht werde. „Verkauft eure Habe und gebt den Erlös den Armen“. Diese Forderung zum Beispiel ist mit ein paar Spenden von mir nicht erfüllt.

Natürlich: Es ist zum Beispiel unchristlich, zu vergewaltigen, Kinder zu schlagen, zu rauben und morden. Klar. Aber bei Fragen wie Schulschließungen, auch bei Fragen nach der richtigen Asylpolitik, bei Fragen wie der nach Auslandseinsätzen der Bundeswehr können auch Christen aus christlicher Verantwortung heraus zu unterschiedlichen Meinungen kommen.

Deswegen sollen Christen sich natürlich nicht raushalten aus politischen Diskussionen. Nur geht es in diesen Diskussionen um richtig oder falsch, besser oder schlechter. Und nicht um christlich oder unchristlich.

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Juden und Christen – in einem Haus vereint

Es gibt viele Aufsätze und Vorträge über jüdisch-christliche Zusammenarbeit, das Verhältnis der Christen zu ihren „älteren Geschwistern“. Ich war dabei, als ein Kooperationsvertrag der jüdischen Gemeinde mit der Caritas Hamburg unterzeichnet wurde, der ganz praktisch Nähe und Distanz deutlich macht. Für die jüdische Gemeinde wäre es zu teuer, ein eigenes Altenpflegeheim zu bauen, und es wäre wohl auch nicht sicher, ob dieses ausgelastet sein würde. Jetzt werden bis zu vier Wohngruppen im Bischof Ketteler Haus, einem Altenpflegeheim der Caritas in Hamburg Schnelsen, für jüdische Menschen reserviert. Die werden dann das „Jüdische Altenheim im Bischof Ketteler Haus“. Es wird eigene Wohngruppen geben, damit hier Speisevorschriften, Schabattregeln und Ähnliches berücksichtigt werden kann. Nähe und Distanz, Geschwisterlichkeit, ohne Unterschiede zu leugnen…ich finde, dieses Altenheim ist ein ganz konkretes Beispiel dafür.

STOP! Schau hin!!!

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Alles ist schwarz. Die Internetseiten der deutschen und der internationalen Malteser sind heute einen Tag lang schwarz. Stop! Schau hin! Schreit auch das Hilfswerk Misereor auf seinen Seiten.
Beiden Hilfswerken, und anderen auch, geht es um Syrien. Jeden Tag sterben Menschen. Millionen sind auf der Flucht. In Syrien sind Häuser und ganze Stadtviertel zerstört und viele Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Die Kinder leiden besonders. Viele Familien suchen eine sichere Unterkunft, einen Ort, an dem sie nicht in Gefahr sind und an dem sie bleiben können, nachdem sie alles hinter sich lassen mussten.
Die Hilfswerke brauchen Spenden, um zu helfen, aber sie bekommen kaum welche. Politisch verworrene Situationen machen die Geldbörsen zu. Und sicher, niemand kann sagen, dass Syrien ein tolles Land werden würde, wenn die Opposition gewinnt. Aber: Darum geht es gar nicht.
Es geht nicht um Sieg oder Niederlage, es geht nicht um Parteinahme im Krieg. Es geht schlicht darum, dass Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf haben, es geht darum, dass Kinder etwas zu essen haben und zur Schule gehen können, es geht darum, dass Verletzte medizinisch gut versorgt werden. Dafür werden Spenden gebraucht.
Misereor, Malteser, Caritas International sind Hilfswerke, denen sie vertrauen können. Oder Ärzte ohne Grenzen, wenn sie kirchliche Hilfswerke vermeiden wollen. Sie und ich, wir haben viele Möglichkeiten zu helfen. Nur gar nicht zu helfen, dafür gibt es keinen guten Grund.

Papst Pause tut gut

Ich finde es gut, dass wir einen Bundespräsidenten haben. Einen, der zum Beispiel mal was sagt, ohne dabei an die nächsten Wahlen denken zu müssen. Ich freue mich, wenn er unser Land im Ausland gut vertritt und wenn es eine Rede hält, höre ich manchmal zu, je nachdem, wozu er wo was sagt.
Ganz ähnlich geht es mir mit dem Papst. Ich finde es gut, dass wir in der katholischen Kirche einen Papst haben. Er garantiert die Einheit der Kirche. Ohne Papst würde die römisch-katholische Weltkirche wohl recht bald in 173 einzelen Kirchen auseinanderfallen. Ich freue mich, wenn er auf Reisen begeistert, und wenn er so schöne Sachen schreibt oder sagt wie Benedikt in der Enzyklika „Gott ist Liebe – Deus est Caritas“, dann lese ich das gerne.
Aber normalerweise spielt der Papst im Leben eines Katholiken gar keine große Rolle. Der Sonntagsgottesdienst in der Gemeinde, die Taufe der Kinder, das soziale Projekt, die Gemeinschaft im Kirchenchor – das ist für mein Leben wichtig. Unabhängig davon, ob der Papst jetzt Benedikt oder Johannes Paul oder sonst wie heißt.
Deswegen: Papst Benedikt wurde gebührend verabschiedet, der neue Papst wird gewiss gebührend empfangen werden, das ist gut, aber dann ist es auch genug. Wichtiger als der Blick nach Rom ist zum Beispiel das Hinschauen auf den Nächsten, der in meinem konkreten Umfeld Hilfe braucht. Wichtiger als das Reden über den Papst ist das Gebet zu Gott. Bei der Wucht der Berichterstattung in den letzten Wochen und bestimmt auch ab der kommenden Papstwahl könnte man fast manchmal aus den Augen verlieren, was Erzbischof Thissen in einem Interview betonte: Katholiken glauben nicht an den Papst, sondern an Gott.

Jazz und Spiritualität

Hier ein Manuskript, das ich für eine Deutschlandfunksendung erstellt habe. Leider kann ich ja aus GEMA Gründen keine Musik einstellen, aber die ganze Sendung kann man auch auf den Seiten des DLF nachhören. Hier die Sendung zum Nachhören.

Musik: Come Sunday – Duke Ellington/Mahalia Jackson
Mahalia Jackson singt im Februar 1958 „Come Sunday“ auf Duke Ellingtons „Black, Brown and Beige“. Duke Ellington griff damit auf eine der Wureln des Jazz zurück, auf den Spiritual. Der wiederum hat die gleiche Struktur wie die Worksongs, die die Sklaven im Süden Amerikas bei der Arbeit sangen.
Musik: Levee Work Song – Hall Negro Quartette
Meist gab es bei den Worksongs einen Vorsänger und die anderen antworteten im Chor. Als im 19. Jahrhundert die Missionierung der Sklaven eingeleitet wurde, übertrugen diese die Struktur der Worksongs auf ihre Gottesdienstgesänge. Zusammen mit der Blasmusik, dem Blues und dem Ragtime sind Spirituals eine der Wurzeln des Jazz.
Musik: Steel away and pray – The Golden Gate Quartett
Es gibt noch eine Gemeinsamkeit zwischen Spirituals und den Worksongs, nämlich die indirekten Botschaften. Genau so wenig, wie die Sklaven die Härte ihrer Arbeit oder ihrer Sklavenhalter offen beklagen durften, durften sie im Gottesdienst offen für ihre Befreiung beten. Die Geschichte des Volkes Israel und seine Befreiung aus Ägypten wurde zum Gleichnis.
Musik: Go down Moses – Louis Armstrong
„Go Down Moses. Let my People go“ in der Interpretation von Louis Armstrong, der, 1901 geboren, am Beginn seiner Musiklaufbahn auch in sogenannten Marching Bands in New Orleans spielte, die bei Beerdigungen auf dem Weg zum Friedhof getragene Kirchenlieder und auf dem Rückweg lebenslustige Stücke spielten.
Musik: When the saints go Marching in – Louis Armstrong
Viele der frühen Jazzmusiker machten ihre ersten musikalischen Erfahrungen in Gottesdiensten. Das gilt auch für Duke Ellington, der 1899 geboren wurde. Als Kind ging er sonntags gewöhnlich in zwei Gottesdienste, in den methodistischen seines Vaters und den baptistischen der Mutter.
Musik: Take the A Train – Duke Ellington
Als der Jazz sich ab den 20er Jahren zur Unterhaltungsmusik für die Weißen entwickelte, wurde Religion in den Songs kaum mehr thematisiert. Ein Grund dafür ist, dass Schwarze für Weiße spielten, denn in den Clubs, auch im legendären Cotton Club, waren Schwarze als Musiker und als Bedienung, nicht jedoch als Gäste zugelassen. Duke Ellington veröffentlichte sogar ein Spottlied über Religion: „Is that Religion?“
Musik: Is that Religion? – Duke Ellington
Erst als der Jazz über die Clubs hinaus als eigenständige Kunstform anerkannt wurde, änderte sich das wieder. Duke Ellington führte die erste Fassung von „Black, Brown and Beige“ 1944 in der New Yorker Carnegie Hall auf. Musik, von der sagte: „Jetzt kann ich der Welt laut verkünden, was ich mir jahrelang auf Knien selbst sagte.“
Musik: Black, Brown and Beige – Part I – Duke Ellington
Wenn Duke Ellingtons Musik noch 1958 hörbar von europäischen Traditionen beeinflusst ist, so entwickelt sich eine Variante des Jazz, die völlig mit alten Hörgewohnheiten bricht und auch dadurch schwarzes Selbstbewusstsein zeigt: der Free Jazz, dem Ornette Colman mit dem gleichnamigen Album 1960 einen Namen gab. Auch John Coltrane wandte sich, nach und nach, dem Free Jazz zu. John Coltrane, 1926 geboren, wurde heroinabhängig und unterzog sich 1956 einem kalten Entzug, während dessen er, wie er später bekannte, ein Vision Gottes hatte. 1964 schuf er das vielleicht bedeutendste religiöse, spirituelle Werk des Jazz: A Love Supreme, eine Suite mit den vier Teilen Acknowlodgement/Anerkennung, Resolution/Entschluss, Pursuance/Streben und Psalm. Schon der Auftakt, die ersten gut 30 Sekunden sind legendär: auf einen chinesischen Gong folgt eine Saxophonfanfare Coltranes, die vom Schlagzeug unterstützt wird, und dann die Bassline aus vier Tönen wie den vier Silben von „A Love Supreme“.
Musik: A Love Supreme – Acknowlodgement – John Coltrane
In dem Booklet schrieb Coltrane, dass diese Musik „All Praise to God“ sei und schrieb darin auch ein längeres Gedicht, dass mit den Worten beginnt:
I will do all I can to be worthy of Thee Oh Lord
It all has to do with it.
Thank you God.
Peace.
There is no other.
Musik: A Love Supreme – Acknowlodgement – John Coltrane
John Coltrane hat auch nach diesem großem Erfolg spirituelle Musik veröffentlicht, die allerdings kaum mehr verstanden wurde. Zu frei, zu wild, zu wenig Struktur wie auf seinen „Meditations“, denen kaum noch jemand folgen mochte.
Musik: The Father and the Son – John Coltrane
Auch wenn dieses Stück „Vater, Sohn und Heiliger Geist“ heißt, ist es wichtig, dass sich die Spiritualität John Coltranes keiner Konfession, ja im Grunde keiner bestimmten Religion mehr zuordnen lässt. Er befasste sich viel mit indischer Religion und erklärte mehrfach, er glaube an alle Religionen. Dies scheint ein Charakteristikum des modernen Jazz zu sein, wenn er spirituelle Intentionen hat. Ein Beispiel aus unseren Tagen ist die aus Aserbaidschan stammende Pianistin und Sängerin Aziza Mustafa Zadeh, die von sich sagt: „Meine Mutter ist Christin, mein Vater war Moslem. Ich bin gläubig, ohne einer Religion anzugehören, ich habe Respekt vor jeder Religion.“ Sie nimmt Elemente verschiedener Religionen auf wie sie auch musikalisch auf mehrere Traditionen, auf Klassik, Jazz und Mugam, der Musik ihrer orientalischen Heimat Aserbaidschan zurückgreift.
Musik: A.J.D. – Aziza Mustafah Zadeh
Es sind nicht immer Texte, sondern oft nur Laute im Scat-Gesang, die Aziza Mustafa Zadeh singt. Das hat einen tiefen Grund: Im Laut selber, im Ton, im Klang wird Gott oder das Göttliche gesucht. John Coltrane hat einmal gesagt, der Klang der Musik sei der erste Ausdruck der Schöpfung. In diesem Punkt trifft er sich mit einem Musiker, der nicht nach dem Klang der Schöpfung sucht, aber nach dem, was alle Menschen verbindet. Und er sucht nicht mit einem Saxophon, sondern mit der menschlichen Stimme. Es ist Bobby Mc Ferrin.
Musik: Circle Songs 1 – Bobby Mc Ferrin
Bobby Mc Ferrin sagte letztes Jahr: „Ich sage immer, dass Gott und meine Familie an erster Stelle stehen, dann kommen Humanität und Menschenrechte, dann erst kommt Musik. Aber die Wahrheit ist auch, dass Musik meine Art ist, zu beten und zu lieben. Es hängt alles miteinander zusammen.“ Als Bobby Mc Ferrin seine Frau mit den Kindern spielen sah, erkannte er darin ein Sinnbild für Gottes Liebe zu den Menschen. Und sang den Psalm 23 – Der Herr ist mein Hirte – mit „She“ – Gott als Frau.
Musik: Psalm 23 – Bobby Mc Ferrin
Spirituals gehören zu den Wurzeln des Jazz, es gibt religiöse Jazzmusiker, es gibt spirituelle, religiöse Jazzmusik und Musiker, deren Suche nach dem Klang ihr Weg der Gottsuche ist, auch wenn sich diese Suche keiner bestimmten Religion zuordnen will. Gibt es auch Jazzmusik für die Kirche, für den Gottesdienst? 1994 war ein wichtiges Jahr für den Jazz in der Kirche, und das lag an einem bestimmten Album.
Musik: O salutaris hostia – Officium – Jan Gabarek
Der Saxophonist Jan Gabarek mit dem Hillard Ensemble. Gregorianische Gesänge, vom Hillard Ensemble perfekt gesungen und dazu die Improvisationen des großen Saxophonosten Jan Gabarek. Die CD „Offizium“ war ein großer Erfolg. Auch live, und das meistens in Kirchen. Jan Gabarek sagte 2009 in einem Interview mit der Zeit: „Wir haben auch schon andere Orte ausprobiert, Konzertsäle, sogar mal ein Zelt mit Soundanlage. Aber das funktioniert nicht. Die richtige Magie entsteht erst, wenn diese Atmosphäre da ist, dieser große Raum, in dem sich die Klänge mischen.“ Alte, traditionelle Kirchenmusik mit Jazz zu verknüpfen wie Jan Gabarek es mit der Gregorianik getan hatte, das versuchten jetzt auch andere, auch mit der Musik von Johann Sebastian Bach.
Musik: Partita No II Courante – Bach Meets Jazz – Thomas Gabriel
Thomas Gabriel und „Bach Meets Jazz“. Ein dritter Versuch, Jazz in den Kirchenraum zu holen, ist, Jazz-Messen zu schreiben wie die klassischen Messen mit Kyrie, Gloria, Sanctus und so weiter.
Musik Kyrie – A Little Jazz Mass – Bob Chilcott
„A littel Jazz-Mass“ von Bob Chilcott ist einer der erfolgreichsten Versuche. Auch deutsche Kirchenmusiker haben Jazz-Messen geschrieben. Hier das Gloria aus der „Missa in Jazz“ von Peter Schindler.
Musik: Gloria – Peter Schindler
Sicher können Jazz-Messen die Liturgie bereichern. Dennoch denke ich, dass dabei etwas von der Kraft des Jazz verloren geht. Die Improvisation ist doch das, was den Jazz so einzigartig macht, die Fähigkeit, im Moment des Entstehens der Musik zuentscheiden, welche Noten gespielt werden.
Der Saxophonist Sonny Rollins findet gerade in der Improvisation Spiritualität: „Manchmal, wenn ich mitten in einem wirklich guten Konzert bin, schaltet mein Geist ganz von selbst auf Autopilot um, und ich erlebe, dass ich einfach dort steh, während der Geist des Jazz meinen Körper erfüllt. Ein tiefes spirituelles Erlebnis.“ An diesem spirituellen Erlebnis lassen uns Jazz-Musiker teilhaben.
Musik: I feel a Song coming in – Sonny Rollins

Leibfreundliche Kirche versus prüde Internetgiganten

Also, was immer sie von christlich-katholischer Sexualmoral halten mögen: Wie kommt es eigentlich, dass die katholische Kirche als prüde und verklemmt und altmodisch gilt, aber Unternehmen wie Apple und facebook als supermodern, aufgeschlossen und cool? Neuestes Beispiel: Die App für das Fototauschportal 500px wurde von Apple gesperrt. Begründung: Es sei möglich, nach pornographischen Inhalten zu suchen, wobei offensichtlich jede nackte Brust für Apple Pornographie bedeutet. Da helfen den Machern des Fotoportals auch diverse Sicherheitseinstellungen nichts. Facebook machte sich jüngst regelrecht lächerlich, als es ein Foto mehrfach sperrte, auf dem man mit viel Fantasie eine nackte Brust überm Badewannenrand sieht, wo nur ein nackter Ellbogen ist.
Schauen sie sich mal auf den Seiten des Vatikan nach der Kunst im Vatikan um: allein die sixtinische Kapelle ist sinnlicher, leibfreundlicher als Apple und facebook zusammen.
Der christliche Glaube, die Kirche sind leibfreundlich, Sexualität wird bejaht, die Schönheit des Körpers darf in der Kunst gefeiert werden. Sie ist ja Gottes Schöpfung. Nacktheit wird für die Kirche erst dann ein Problem, wenn der Körper des Menschen ausgebeutet wird. Deswegen wird die Kirche immer gegen Prostitution eintreten. Du wenn möglichst viel nackte Frauenhaut Autos oder sonst was verkaufen soll, dann verstößt das gegen die Würde des Menschen, gegen die Würde der Leiblichkeit, denn der Mensch und sein Leib sollen nicht nur Mittel zum Zweck sein. Künstlerische Fotos, nackte Engel: Kein Problem. Das macht den Papst, die Kirche nicht supercool, aber leibfreundlicher als die coolen Internetgrößen sind sie allemal.

Spenden schenken

Mein Schwager hat Geburtstag und er wünscht sich: nichts. Er will keine Geschenke. Und ich kenne immer mehr Menschen, denen es genau so geht. Die kaufen sich, was sie brauchen und möchten, haben keine materiellen Wünsche und fürchten sich eher davor, unpassende Geschenke zu bekommen, die sie dann aber auch nicht wegschmeißen können (das ist meine größte Sorge…).
Ich schenke meinem Schwager trotzdem etwas, denn niemand kommt doch gerne mit leeren Händen. Ich schenke einen Brunnen oder 20 Mittagessen oder Schulgeld für ein Jahr. Das kann er selbst entscheiden, denn er bekommt eine Help Card von Caritas International. Das ist eine scheckkartengroße Karte, für die ich ein Motiv, einen sehr kurzen Text und einen Spendenbetrag auswählen kann. Der Beschenkte kann dann später mit der Help Card Nummer und einem Pin Code am Computer selber entscheiden, welches Projekt er unterstützen möchte.
Ähnliche Ideen haben auch andere Hilfswerke. „Geschenke mit Herz und Verstand“ heißt es bei Misereor, wo ich zum Beispiel fünf Hühner für 20 Euro verschenken kann, die ich allerdings nicht mit zur Party in Deutschland bringe, sondern die für eine Familie in Afrika gekauft werden.
Nichts gegen liebevoll ausgesuchte, mit Sinn und Verstand ausgesuchte persönliche Geschenke, die sind toll. Aber ehe ich aus Verlegenheit irgend etwas schenke, von dem ich selber nicht überzeugt bin, kann ich doch Hilfe für Menschen in Not verschenken.
www.caritas-internalional.de/spendenhelfen/
www.misereor.de/spenden/spenden-schenken.html