Matthias Matussek: Die Apokalypse nach Richard – eine Weihnachtsgeschichte


Der Mann hat sein Image weg, und dafür hat er auch einiges getan. Ist durch Talkshows gepoltert, hat auf „Reformkatholiken“ geschimpft und den Papst verteidigt. Sein Buch „Das katholische Abenteuer. Eine Provokation“ hat vor allem seinem Titel Recht gegeben und provoziert. Aber Matthias Matussek verdanken wir auch den Spiegel-Titel „Der Unsterbliche“ – kurz vor dem Tod Johannes Paul II erschienen. Was ihn an Johannes Paul II so beeindruckt hat, war auch, dass der sich nicht auf lange Diskussionen eingelassen hat, sondern erst einmal forderte: Hinknien. Rosenkranz beten. Dann reden wir weiter.
Ich habe Matthias Matussek bislang drei Mal interviewt und dabei nie über Reformen und Kirchensteuer diskutiert. Mich hat es mehr interessiert, was ihn tiefer bewegt, und so habe ich nicht den polternden Diskutanten erlebt, sondern einen gläubigen Mann, der in der Bibel liest, betet, sonntags als Lektor in der Kirche steht. Gute Gespräche, gute Interviews waren das.
Diesen nachdenklichen Matthias Matussek kann jetzt jeder kennenlernen, der das neueste Buch von Matthias Matussek liest: Die Apokalypse nach Richard. Sein erster Roman, deutlich autobiografisch gefärbt und – ein frommes Buch. Er habe gar nichts dagegen, wenn man von Erbauungsliteratur rede, sagte er mir. Das Buch liest sich leicht und angenehm, hat lediglich einige Spratzer vom Polter-Matussek abbekommen, und hat mich auch zu der Frage geführt: Glaube ich tatsächlich daran, dass diese Welt vorübergeht und wir auf die Wiederkunft des Herrn warten? Glaube ich an Wunder? Ich bekomme viel geschenkt, wenn ich mit Menschen spreche, die einfach glauben, deren Glauben erwachsen ist und sich doch etwas Kindliches bewahrt hat. Menschen wie Richard.

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Totenkult in Mexiko

Allerheiligen und Allerseelen, Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag – der November ist der Monat des Totengedenkens. Das Gedenken gerade an Allerheiligen und Allerseelen ist in Mexiko ganz anders als bei uns. Das zeigt eine Ausstellung im Bestattungszentrum des Friedhofs Ohlsdorf in Hamburg. So wird für die Toten gekocht, die Friedhöfe mit Blumen geschmückt und Zuckertotenschädel verzehrt. Dr. Hedda Scherr erläutert Ausstellungsstücke. Sehen Sie hier Fotos und einen Videoclip.

Titanic, Jesus-Karikatur – Mode Blasphemie und Kirchenbashing?

Der Prozess ist ausgefallen. Die Klage gegen die Satirezeitschrift Titanic wurde zurückgezogen. Die darf jetzt wieder die Ausgabe mit dem vorne gelblich und hinten bräunlich beschmutzten Papst verkaufen. Die Klage war bestimmt keine grandiose Idee, denn bessere Werbung hat dieses Blatt noch nie bekommen. Mich ärgert nicht nur das Titelblatt, sondern auch die Haltung in vielen Presse-Kommentaren: Die Kirche, die Gläubigen sollen sich mal nicht so haben, lockerer mit Satire umgehen, auch wenn die unter die Gürtellinie zielt.

Ganz ähnlich war die Reaktion der Macher der Ausstellung Carikatura in Kassel: Die warben mit folgendem, inzwischen abgehängten Plakat: Jesus am Kreuz ist zu sehen und eine Sprechblase aus dem Himmel: Ey, Du: Ich habe deine Mutter gef…und dann das Wort mit f. Als sich Gläubige beschwerten, ist der Geschäftsführer der Ausstellung überrascht; darüber, dass Gläubige verletzt und nicht gelassen reagieren und er beklagt mangelnde Toleranz. Angeblich soll Satire ja weh tun, aber wenn jemand vor Schmerzen schreit, reagieren die Satiriker öfter recht beleidigt.

Was ich beklage: mangelnden Respekt davor, was anderen wichtig und heilig ist. Das Kreuz gehört nun wirklich ins Zentrum des christlichen Glaubens. Ich wünsche mir, dass klar ist: So derbe plumpe Witze darüber: So etwas tut man einfach nicht.

Wer heute primitive, verletzende Witze auf Kosten von Frauen, Homosexuellen oder Ausländern macht, bekommt mächtig Ärger, denn Sexismus, Homophobie und Rassismus sind geächtet. Das ist Konsens. Gut so. Hoffentlich gehört es bald auch wieder zum Konsens, dass man auf den Gefühlen von Gläubigen nicht herumtrampelt.

Im Alltag beten – wie Teresa von Avila und: Babys

Ein Baby hat keinen Begriff von Religion, es kennt keine Gebete, nichts. Aber ein Baby kann in seiner Beziehung zu Gott doch Vorbild für uns alle sein. Wenigstens, wenn ich einen Gedanken der Heiligen Teresa von Avila ernst nehme. Im 16. Jahrhundert lebte sie als Ordensschwester, als Karmelitin. Ihr Gedanke hat zunächst einmal nichts mit Babys zu tun. Die Heilige sagt: Christus ist auch zwischen Kochtöpfen. Wie kam sie zu solch einer Aussage?

Sie beobachtete an Jesus, dessen Leben sie immer wieder meditierte, wie er sich Gott zuwendet, ihn „Abba“ nennt, liebender Vater. Jesus hat einen freundschaftlichen, liebevollen Umgang zu Gott  und ist zugleich ehrfürchtig im Umgang mit Gott. Und er war Gott und dem jeweils Nächsten zugewandt. Dieser Jesus von damals ist derselbe, zu dem wir beten – das war die erste große Entdeckung Teresas nach fast zwanzig Klosterjahren! Fortan versuchte sie in einer Freundschaft zu Jesus zu leben. Geistliches Leben wird nun für sie „wie ein Umgang mit einem Freund, mit dem wir oft und gern zusammenkommen, von dem wir wissen, dass er uns liebt.“ 

Die zweite große Entdeckung der Heiligen Teresa von Avila: Wenn Jesus zugleich Gott und dem Nächsten zugewandt war, dann gibt es keine Trennung von Kontemplation und Aktion, von Gebet und Nächstenliebe. Das Leben mit Gott ist nicht auf Gebetszeiten in der Kirche beschränkt. „Christus ist auch zwischen den Kochtöpfen“, sagt sie. Geistliches Leben ist kein zeitlich begrenzbares Tun, sondern eher eine Einstellung und eine Lebensform. 

Noch heute beten die Ordensschwestern der Karmelitinnen sehr bewusst jeden Tag stundenlang in der Kapelle. Aber die Arbeit in der Küche sei auch Dasein in der Gegenwart Gottes. Nicht gering schätzen, alles mit  großer innerer Aufmerksamkeit tun, das sei der Kern  eines kontemplativen Lebens, eines Lebens, das sich der Gegenwart Gottes bewusst sein will. Sie sagte das, um deutlich zu  machen, dass das Leben ein immerwährendes Gebet sein kann, einfach dadurch, dass man sich in der Gegenwart Gottes weiß.

Und das können wir  alle auch, ohne täglich mehrere Stunden in der Kirche zu sitzen. Einfach das, was man tut, ganz tun. Ich muss Gott nicht suchen, weil er schon längst da ist, ich muss mich nur seiner Gegenwart öffnen. Und jetzt zeigen sie mir irgendwen, der so sehr im Augenblick lebt und aufgeht wie ein Baby. Nicht mit den Gedanken ganz woanders, nicht zwei drei Dinge gleichzeitig tun. Hier und jetzt sein. Nichts sonst. Das ist der Gipfel der Kontemplation, der Versenkung in Gottes Gegenwart. Und das können besonders gut Heilige – und Babys.

Um Entschuldigung bitten ist keine billige Sache

Tschuldigung, oder: sorry. Das ist ganz schnell gesagt. Und oft folgt ja auch ein: schon okay. Niemanden fällt es schwer, tschuldigung zu sagen. Und ich glaube, das liegt an einer Machtverschiebung. Ich habe irgend etwas Falsches gemacht, und mir nichts dir nichts in einer Sekunde kann ich das wegbügeln:  tschuldigung: wie billig.
Etwas schwerer fällt das Ganze schon in richtigem Deutsch: ich entschuldige mich. Da wird gleich deutlicher, dass ich hier wirklich etwas falsch gemacht, daneben gelegen, eben Schuld auf mich geladen habe. Aber richtig ernst ist die Situation noch immer nicht. Denn ich habe weiter das Heft in der Hand. Ich entschuldige mich. Und wenn das Opfer meiner Missetat dann immer noch sauer bleibt: Spielverderber.

Ich denke, die richtige Formulierung lautet: ich bitte um Entschuldigung. Wenn die Last einer Schuld auf mir liegt, kann ich die nämlich nicht alleine loswerden. Das Joch, das das Vieh bindet, ist deswegen auch ein altes Bild für Schuld. Mich belastet etwas, sagen wir doch auch.  Und genau so wenig wie der Ochse sein Joch selber abwerfen kann, werde ich die Schuld alleine los. Die muss mir jemand abnehmen. Darum zu bitten: Das fällt schwer.  Auf einmal gibt es nämlich die Gefahr, das jemand sagt: nein. Ich entschuldige nicht, dass du dies oder das gemacht hast. Ich kann dir das nicht verzeihen. Dann muss ich die Schuld weiter mit mir rumschleppen. Auf einmal wird diese Floskel also eine riskante Sache. Auf der anderen Seite: nur wenn ich das Risiko der Bitte um Entschuldigung eingehe, kann ich die Last los werden, sonst bleibe ich im Joch, muss ich die Schuld weiter mit mir rumtragen.

Um Entschuldigung bitten ist ein Risiko, aber ich mache die Erfahrung,  dass eine Bitte um Entschuldigung selten vergebens ist.  Ich fühle mich wirklich freier und leichter, wenn ich um Entschuldigung bitte und meine Frau oder ein Kollege oder Freund sagt: Okay. Ist schon wieder gut. Danke, dass du diese Last von meinen Schultern genommen hast.

Katholischen Christen ist die Bitte um Verzeihung aus dem Gottesdienst vertraut: Herr, erbarme dich. Jeden Sonntag. Drei mal beim Kyrie. Eine ernste Bitte, und doch im Vertrauen darauf gesprochen, dass Gott mir schon längst vergeben hat. Denn seine Liebe zu uns ist größer als unsere Schwachheit und Schuld. Ich wünsche mir etwas von dem Ernst und dem Vertrauen auch unter Menschen. Ich bitte dich um Entschuldigung, das heißt: ich weiß wirklich, dass ich Schuld auf mich geladen habe, und ich hoffe und vertraue darauf, dass du sie von mir nimmst.

Tschuldigung – das heißt fast gar nichts.

Lukas und die Radikalen oder: Auch ich kann in den Himmel kommen

Lukas sei Dank – auch ganz normale Menschen, vielleicht sogar etwas spießig,
können in den Himmel kommen. Der Evangelist Lukas hat nämlich durchaus etwas übrig für Menschen, die nicht gleich Feuer und Flamme sind, sich sofort begeistern lassen, sondern eher bedächtig, genau und ruhig reagieren. Das kann man schon im Vorwort zu seinem Evangelium erkennen: Er will „allem von Grund auf sorgfältig nachgehen, alles der Reihe nach aufschreiben.“
Lukas lobt bedächtige Menschen: „Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich nicht zuerst hin und rechnet, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es doch sein, dass er das Fundament gelegt hat,
dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Oder: Wenn ein König gegen den anderen in den Krieg zieht,  setzt er sich nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegen stellen kann, der zwanzigtausend aufbieten kann?“ Gute, solide Planung wird von Lukas also geschätzt.
Genau so wie Geduld: Da hat ein Weinbergbesitzer einen Feigenbaum, der schon drei Jahre lang keine Früchte mehr getragen hat. Was tun? Lieber dem Baum noch ein Jahr Zeit geben, bevor er umgehauen wird. Und sogar das Gleichnis vom verlorenen Sohn oder barmherzigen Vater bricht nicht mit dem Sohn, der zu Hause geblieben ist, mit dem bürgerlichen Sohn. Es stimmt, für den anderen, der sich das Erbe hat auszahlen lassen, alles verprasst hat und pleite nach Hause kommt – für den wird ein Fest gegeben. Darüber ist der biedere Sohn, der die ganze Zeit zu Hause mitgearbeitet hat, auch verärgert. Aber während des Festes geht der Vater zu ihm raus und sagt:  Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein. Komm, freu dich mit.

Der Evangelist Lukas schreibt seinen Bericht so um 80 oder 90 nach Christus, zu einer Zeit, als immer weniger Jesus noch persönlich gekannt haben. Dass es nicht so schnell geht mit dem Reich Gottes, dass Jesus nicht so bald wieder kommt,
das ist inzwischen klar. Es ist etwas Alltag eingekehrt. Und damit stellt sich dann die Frage: wie lebe ich denn den christlichen Glauben im Alltag? Alles stehen und liegen lassen und Christus nachfolgen, sich von den Ähren am Wegesrand ernähren und sein ganzes Geld weg schenken – das können tatsächlich nicht alle leben.
Die Situation der Leser, die Lukas im Blick hatte, war nicht so anders als die von uns heute.

Also: einfach alle radikalen Forderungen auf ein erträgliches Maß zusammen streichen? Das macht Lukas nicht. Zum Beispiel beim Thema Geld ist er sehr radikal.
Wehe euch, ihr Reichen! Das liest man sogar nur bei ihm. Der reiche Mann, neben dessen Tisch der arme Lazarus Hunger gelitten hat, ist auf ewig in der Hölle. Die Hungernden beschenkt Gott mit seinen Gaben, und die Reichen lässt er leer ausgehen. Hütet euch vor Habgier. Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch auf Grund seines großen Vermögens im Überfluss lebt. Das alles und viel mehr dergleichen steht im Lukas-Evangelium. Aber das Evangelium bleibt irgendwie zwiespältig.

Denn neben diesen radikalen Worten gibt es auch viel pragmatischere Ansätze:
Zum Beispiel: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat,
und wer zu essen hat, der tue es genau so. Und das soll man nicht nur bei Freunden und Verwandten tun: Ihr sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts für euch erhoffen könnt

Das lässt sich schon leben. Ist immer noch radikaler als der bloße Durchschnitt. Der gibt, so unterstellt Lukas, eben nur, wenn was für ihn dabei rausspringt. Die Erinnerung an die radikalen Anfänge und vor allem die Warnungen vor Reichtum,
an dem das Herz hängt, machen dabei deutlich, dass niemand die radikalen Forderungen runterrechnen darf, bis sie nicht mehr weh tun. Aber totale Armut wird doch ergänzt durch die Möglichkeit großherziger Wohltätigkeit. Nicht jeder kann heute so radikal leben wie die ersten Jünger oder wie eine Mutter Teresa. Aber jeder kann überlegen: wie viel Geld brauche ich wirklich für mich? Wie viel kann ich entbehren und spenden? Gebe ich den zweiten Mantel ab? Mit der Antwort, sagt Lukas, kann ich mir sogar Zeit nehmen und alles gut durchrechnen. Auch normal bürgerliche Menschen können in den Himmel kommen.

Lob des Alltags, der grauen Werktage

Auch diesen Montag soll man nicht vor dem Abend loben. Sagt man so, ich weiß. Ich will es aber genau anders herum machen. Ich will diesen Tag schon jetzt loben, ganz am Beginn. Dabei erwarte ich heute nichts besonderes, sondern so einen richtig grauen Alltagstag. Einen Tag, wie er in seiner Alltäglichkeit vielleicht Jesus vorschwebte, als er sagte, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. Für mich heißt das Aufstehen, mit der Familie frühstücken, arbeiten, die Kinder aus dem Kindergarten abholen, nach Hause kommen, mit den Kindern spielen, Abend essen, ein bisschen fernsehen und ab ins Bett. Und doch: dieser Tag wird viele gute Gelegenheiten bieten. Zum nett sein, zum Gut sein, für Freundlichkeit, Sanftmut, Liebe, Güte, Frieden, Langmut und Geduld, die Früchte des Heiligen Geistes, wie Paulus sie nennt. Die müssen nämlich nicht nur in herausragenden Situationen verwirklicht, sondern im Alltag gelebt werden.

Ich schaffe es aber viel weniger, geduldig und liebevoll und freundlich zu sein, wenn ich einen Tag missgelaunt und mürrisch angehe. Wenn ich aber ausgeschlafen bin und den Tag wach und positiv und offen angehe, wird er so werden, dass ich ihn auch am Abend loben kann

Das mag jetzt verdächtig nach einem billigen Psychotrick klingen oder nach dem Konzept des „Positiven Denkens“. Ziel diees positiven Denkens ist es, durch Autosuggestionen das Bewusstsein und Unterbewusstsein zu beeinflussen. Positives Denken geht davon aus, dass der Mensch programmierbar sei und es für alle Menschen die eine „richtige Programmierung“ gebe. Das führt dann schnell zu Ratgeberbüchern mit Klappentexten wie „Auch Sie können glücklich und erfolgreich sein, wenn sie nur die einfachen Regeln dieses Buches befolgen…“. Auch wenn der ein oder andere Trick hilfreich sein mag, gehe ich nicht von einer Programmierbarkeit des Menschen aus. Mein Morgenlob des Abends ist kein Trick.

Mein Grund für den Optimismus auch diesem Tag gegenüber geht tiefer. Ich glaube, dass dieser Tag ein Geschenk ist. Ein einmaliges Geschenk. Ein kleines Kind von Gottes Ewigkeit, wie es Karl Rahner so schön gesagt hat. Ich glaube, dass dieser Tag sehr viele Chancen bietet, etwas von der Güte Gottes zu erfahren und weiterzugeben. Ganz alltäglich. Vielleicht kann ich in der U-Bahn meinen Platz anbieten, vielleicht lässt eine Kollegin mich bei einem Kaffee an ihrem Leben teilhaben, ich kann das Lachen meiner Kinder genießen und ihnen Geborgenheit schenken und so weiter. Wirklich keine Aufsehen erregenden Dinge. Aber ich muss oft an Menschen in der Bibel denken wie den Zöllner, den Jesus wieder in die Mitte der Gesellschaft holt. Nachdem Jesus bei ihm gegessen hat, verspricht er, die Hälfte seines Vermögens den Armen zu geben und zu viel gefordertes vierfach zu erstatten. Das ist nicht gerade wenig, aber: Zachäus lässt nicht alles stehen und liegen und zieht mit Jesus weiter. Er bleibt auch nach der Begegnung mit Jesus Zöllner, lebt sein Leben weiter, nur besser. Und anderes verlangt Jesus auch nicht. Zachäus soll seinen Alltag gut leben. Genau wie ich und sie vielleicht auch. Ich bin kein politisch oder sonst wie wichtiger Mensch, ich bin kein Missionar in einem bitterarmen Land. Mein Platz als Christ ist der Alltag. Das heißt, dass ich mich hier beweisen muss, aber auch, dass ich im Alltag Gott erfahren kann.
Das kann ich mir morgens bewusst machen. Zum Beispiel so, wie es der Hamburger Erzbischof Werner Thissen empfiehlt. Beginne den Tag gleich nach dem Aufwachen mit einem bewussten Kreuzzeichen und dem Satz: „Du Herr zeigst uns den Weg zum Leben.“ Das tut er. Auch heute wieder. Und dass ist doch ein guter Grund, den Tag vor dem Abend zu loben.